Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland.
Ausstellung vom 24. April bis 30. August 2026 im Lehmbruck Museum Duisburg.

Anish Kapoor (*1954, Mumbai) zählt zu den visionärsten Künstlern unserer Zeit. Mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland wird nun sein wegweisendes Lebenswerk gewürdigt, das die Entwicklung der Bildhauerei bis heute prägt. Mit 16 Werken aus fünf Jahrzehnten seiner künstlerischen Praxis zeigt das Lehmbruck Museum die umfangreichste Ausstellung des Künstlers in Deutschland seit über zehn Jahren.

Innerhalb der Ausstellung treffen Kapoors faszinierende Werke auf die ikonische Architektur des Museumsbaus und schaffen gemeinsam eine unverwechselbare Erfahrung. Das Gebäude wird zum Resonanzraum von Kapoors Ideen: Licht und Schatten, Raum und Material verändern unsere Wahrnehmung und erweitern unsere Vorstellungskraft. Im Parcours durch die Ausstellung begegnen wir Werken, die wie Schwellen zu anderen Dimensionen sind – geheimnisvoll und von unmittelbarer Präsenz. Mit einem unendlich scheinenden Formenreichtum erforscht Anish Kapoor die Grundbedingungen des Menschseins. Es geht um das Mysterium des Lebens und des Todes, um die widerstreitenden Kräfte, die unser Dasein bestimmen. Im Zentrum steht die Frage: Wie lässt sich das darstellen, was nicht greifbar, nicht sichtbar ist, das, was den Menschen im Kern ausmacht?
„„I also have great love and respect for Lehmbruck, for his work and for what it is doing. […] This inward vision defines the deeply melancholic beauty of those works. I strongly share a sense of this melancholy. „
Anish Kapoor

Im Verlauf seines künstlerischen Werdegangs hat Anish Kapoor die Bildhauerei maßgeblich verändert. Er hat Materialien an ihre Grenzen geführt und Werke von spektakulären Ausmaßen geschaffen. Seine Skulpturen verlangen ambitionierte technische Meisterleistungen und einen akribischen Blick für Details. Kapoors Werken zu begegnen, ist ein Erlebnis: Beinahe außerirdisch, surreal und überpräsent transformieren die Objekte den Raum und schärfen all unsere Sinne.

In der Ausstellung im Lehmbruck Museum begegnen Besucherinnen und Besucher eindrucksvollen Arbeiten wie Past, Present, Future – einer über 3 Meter hohen, kugelförmigen Arbeit aus tiefrotem Wachs –, einem beinahe 15 Meter langen, spiegelnden Korridor in Form der Double S-Curve sowie den illusionistischen Werken Non-Object Black, deren tiefschwarzes Pigment (Vantablack) den Blick förmlich in sich hineinzieht. Die Skulpturen Kapoors sind keine rein statischen Objekte, sondern immersive Erfahrungsräume, die uns berühren, erstaunen und verändern. Er schafft es mit seiner Kunst, Komplexität, feine Nuancen und vielfältige Perspektiven zu vereinen und dabei die Fragilität des menschlichen Seins zu thematisieren. Anish Kapoors Werk besticht durch die Versöhnung von vermeintlichen Gegensätzen: außen und innen, dunkel und hell, materiell und immateriell.

Die Ausstellung ist eine seltene Gelegenheit, Kapoors Schaffen in seiner ganzen Tiefe zu erleben. Sie lädt dazu ein, sich intensiven Sinneseindrücken zu öffnen und dem Unsichtbaren zu begegnen. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis, eine der international renommiertesten Auszeichnungen für Bildhauerei, würdigt den Mut und die Innovationskraft von Anish Kapoor, mit denen er unsere Vorstellungskraft in neue Dimensionen führt.
Die Ausstellung wird gefördert von dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Duisburg, duisport – Duisburger Hafen AG, der Sparkasse Duisburg und der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland.
Monopol – Magazin für Kunst und Leben ist der Medienpartner der Ausstellung.
Anish Kapoor
Seit mehr als fünf Jahrzehnten prägt Anish Kapoor die zeitgenössische Kunst mit einer unverwechselbaren Formensprache, die seinen Skulpturen eine universelle Gültigkeit verleiht. 1954 in Mumbai geboren, verließ Kapoor Indien mit 16 Jahren und fand über Israel seinen Weg nach London. Dort studierte er in den 1970er Jahren am Hornsey College of Art und später am Chelsea College of Arts. In der Folge etablierte er sich als einer der führenden Vertreter der New British Sculpture, die vor allem im Bereich der Skulptur neue Wege beschritt.

Bereits in seinen frühen Werken arbeitete Kapoor mit der psychologischen und mythologischen Kraft der Farbe. Durch den Einsatz loser Pigmente löste Kapoor die Grenzen zwischen klassischer Skulptur und Malerei auf und schuf Werke, die materiell greifbar und zugleich flüchtig wirken. Seit Ende der 1980er Jahre erweiterte Anish Kapoor seine Materialpalette radikal und begann, das Wechselspiel von Innen und Außen sowie Leere und Fülle in Stein, Edelstahl, Harz oder Wachs zu erforschen. Begriffe wie Void (Leere) oder Non-Object (Nicht-Objekt) beschreiben seither seine Suche nach Formen, die sich einer eindeutigen physischen Verortung entziehen.
Insbesondere seine hochglanzpolierten Spiegelskulpturen sind heute weltweit bekannt: Sie verformen die Umgebung, fordern die Wahrnehmung heraus und heben die Grenzen des physischen Raums auf. Vor allem in den letzten Jahren denkt und arbeitet Kapoor in monumentalen Dimensionen. Eines der berühmtesten Beispiele hierfür ist Cloud Gate (2004) in Chicago oder die erste aufblasbare Konzerthalle der Welt, Ark Nova (2013). Neben seinem skulpturalen Werk umfasst sein Schaffen ein umfangreiches Œuvre an Zeichnungen und Gouachen, in denen Farbe, Körperlichkeit und Dunkelheit aufeinandertreffen.

Anish Kapoor hat international an bedeutenden Orten ausgestellt, darunter im Museum of Modern Art und im Jewish Museum in New York, in der Tate Modern in London, im Schloss Versailles, im Palazzo Strozzi in Florenz, sowie im Kaiserlichen Ahnentempel in Peking. Bereits 1990 vertrat er Großbritannien auf der Biennale von Venedig, wo er mit seinen tiefblauen Void-Skulpturen internationale Maßstäbe setzte. In diesem Jahr rückt sein Schaffen erneut ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit: Zeitgleich mit der Ausstellung im Lehmbruck Museum bespielt er während der 61. Biennale von Venedig den Palazzo Manfrin und präsentiert sein Werk im Serlachius Museum in Mänttä, Finnland, sowie in einer großen Schau in der Londoner Hayward Gallery.
Anish Kapoor wurde 2013 im Rahmen der Queens’s Birthday Honours zum Ritter geschlagen. Für sein wegweisendes Werk erhielt er einige der bedeutendsten Auszeichnungen, unter anderem den Turner Prize, den Praemium Imperiale sowie zuletzt im Jahr 2025 den renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis.
Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis
Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis ist die international bedeutendsten für Skulptur verliehen werden. Er wird alle fünf Jahre vergeben. Das erste Mal wurde er 1966 anlässlich des 85. Geburtstags Wilhelm Lehmbrucks (1881-1919) verliehen. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis wird seit 2020 maßgeblich vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) gefördert.
Anish Kapoor äußerte sich nach der Vergabe des Preises wie folgt: „Ich fühle mich geehrt, den renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis für Bildhauerei zu erhalten. Viele geschätzte Kollegen haben diesen Preis vor mir bekommen und ich bin sehr gerührt, neben ihnen zu stehen.“
Nach Janet Cardiff & George Bures Miller (2020), Rebecca Horn (2017), Reiner Ruthenbeck (2006), Nam June Paik (2001), Richard Long (1996), Richard Serra (1991), Joseph Beuys (1986), Claes Oldenburg (1981), Jean Tinguely (1976), Norbert Kricke (1971) und Eduardo Chillida (1966) wurde der Wilhelm-Lehmbruck-Preis 2025 zum zwölften Mal vergeben.
Statements der Förder:innen
Sören Link, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg:
„Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis ist eine hochverdiente Würdigung von Anish Kapoors künstlerischer Leistung und seiner Gabe, das Publikum ins Staunen zu versetzen. Die Ausstellung ist eines der ambitioniertesten Projekte, das in den letzten Jahren hier im Museum realisiert wurde. Sie zeigt, wie wichtig es ist, die Welt mit einem frischen und unvoreingenommenen Blick zu betrachten.“
Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland und Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland:
„Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis steht in einer für uns alle wichtigen Tradition: Er würdigt herausragende künstlerische Leistungen und steht für die Idee, dass Kunst unser Zusammenleben menschlicher macht. Der Landschaftsverband Rheinland fördert den Preis und diese herausragende Ausstellung maßgeblich, denn wir sind davon überzeugt, dass Kunst und Kultur unverzichtbar sind für unser gemeinsames Dasein. Skulptur ist mehr als geformtes Material: Sie ist ein Resonanzraum für die menschliche Seele. Sowohl in der Kunst von Wilhelm Lehmbruck als auch bei Anish Kapoor kommt dieser Gedanke auf besondere Art und Weise zum Vorschein.“
Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Herzlichen Glückwunsch an Anish Kapoor zum völlig verdienten Wilhelm-Lehmbruck-Preis – eine der wichtigsten internationalen Auszeichnungen für Bildhauerei. Seine Werke spielen mit Raum, Licht und Material und bringen uns dazu, genauer hinzusehen. Sie überraschen, verunsichern manchmal und machen gerade dadurch sichtbar, was sonst leicht übersehen wird. Darin liegt ihre besondere Stärke. Seine Kunst passt deshalb wunderbar zu Wilhelm Lehmbruck und zu diesem Museum. Deshalb unterstützen wir als Land die Ausstellung sehr gern. Ich freue mich auf die raumgreifenden Installationen und darauf, wie sie Körper, Raum und unser Sehen verbinden.“
Dorothée Coßmann, Vorsitzende der Sparkassen-Kulturstiftung:
„Mit seinen spektakulären Werken lädt Anish Kapoor uns dazu ein, die Grenzen des Sichtbaren neu zu entdecken. Als Förderer ist es uns wichtig, herausragende Kunstereignisse im Rheinland zu unterstützen und für die Menschen vor Ort erlebbar zu machen. Mit dieser besonderen Präsentation rückt das Lehmbruck Museum und unsere Region an die Spitze der internationalen Kunstszene.“
Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport):
„Die Werke von Anish Kapoor beeindrucken durch ihre Präzision und ihre besondere ästhetische Wirkung. Die monumentale Spiegelskulptur Double S-Curve mit einer Länge von mehr als 15 Metern sicher nach Duisburg zu bringen, war auch für uns eine nicht alltägliche Herausforderung. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Expertise, Verantwortung und Zusammenarbeit zusammenkommen.“
Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums:

„Zu ganz unterschiedlichen Zeiten verfolgen Wilhelm Lehmbruck und Anish Kapoor in ihrem Werk ähnliche Ziele: In einer rational organisierten Welt machen sie das Zarte und Prekäre der Seelenwelt des Menschen spürbar. Es ist mir auch deshalb eine sehr große Freude, dass Anish Kapoor von einer internationalen Jury als Preisträger für den Wilhelm-Lehmbruck-Preis ausgewählt wurde. Die Ausstellung vereint ikonische Skulpturen aus jeder seiner Schaffensphasen. Wir können also beispielhaft verfolgen, wie sich das Werk dieses großen Künstlers entwickelt hat. In unserer einzigartigen Museumsarchitektur findet das Werk von Kapoor einen idealen Resonanzraum: das Andächtige der Architektur findet mit zentralen Aspekten der Werke Kapoors zu einer neuen Einheit zusammen.“
Katalog
„Anish Kapoor“, Lehmbruck Museum, Duisburg, Hrsg. von Söke Dinkla, mit Texten von Söke Dinkla, Anne Groh, Anish Kapoor, Ralph Rugoff, Elisabeth Jacobsohn, Stephanie Eul, 200 Seiten, 100 farbige Abbildungen und Ausstellungsaufnahmen, Verlag der Buchhandlung Walther König, 2026, Museumspreis: 29 €, Buchhandelspreis: 38 €
Weitere Informationen u. a. zum Begleitprogramm finden Sie hier: www.lehmbruckmuseum.de

