Kunsthalle unterwegs. Ausstellung vom 23. Mai bis 20. August 2026 im Malkastenpark Düsseldorf.

Mit Stefanie Bühler / Arpad Dobriban / Klaus Fritze / Kanade Hamawaki / Aslı Hatipoğlu / Temitayo Ogunbiyi / Katie Paterson

Ecologies in Motion ist eine Kooperation zwischen dem Künstlerverein Malkasten und der Kunsthalle Düsseldorf, die im Rahmen der Projektreihe Kunsthalle unterwegs realisiert wird.

Der Mitte des 18. Jahrhunderts im Zentrum Düsseldorfs angelegte, zweieinhalb Hektar große Malkastenpark steht im Zentrum des Kooperationsprojekts (für die Geschichte des Parks bitte hier anklicken). Dabei fungiert der Park nicht nur als Kulisse, sondern wird als aktiver Mitspieler in künstlerischen und gesellschaftlichen Prozessen sichtbar gemacht – als Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Transformation. Skulpturen, Performances und Interventionen beleben den Park auf vielfältige Weise und öffnen ihn als Raum für zeitgenössische Kunst, Biodiversität im urbanen Raum und Begegnungen unterschiedlicher Art.

Ecologies in Motion greift den Park als sozialen, ökologischen und ästhetischen Raum auf. Als sozialer Raum bietet er Möglichkeiten der Begegnung, des Austauschs und der kollektiven Erfahrung, während er als ökologischer Raum neue Blickwinkel auf Biodiversität im urbanen Kontext eröffnet. Die Sensibilisierung für den gewachsenem Baumbestand, die historischen Strukturen und Grünflächen des Malkastenparks ist integraler Bestandteil des Projekts und die Besucher*innen sind eingeladen, ein zukunftsfähiges Verhältnis zur gestalteten Umwelt zu reflektieren. Als ästhetischer Raum bringt der Park seine eigene Geschichte ein: Vom Ideal des Barocks mit seinen geometrischen Formen und Sichtachsen über den englischen Landschaftsgarten bis zum heutigen Erscheinungsbild erzählt er von einem Wandel ästhetischer Ideale. Die kunstvolle Anlage des Gartens tritt nun in den Dialog mit aktuellen künstlerischen Positionen. Der Park wird so nicht nur Ausstellungsort, sondern selbst zum Medium künstlerischer Reflexion.

Mit Ökologien befassen sich die Arbeiten von Stefanie Bühler und Katie Paterson. Während Bühlers Skulptur Augenzeuge (2013) dem längst ausgestorbenen und vor mehr als 300 Millionen Jahren verbreiteten karbonzeitlichen Schuppenbaum (Lepidodendron) nachempfunden ist, erforscht Paterson mit der Intervention To Burn, Forest, Fire anhand von Düften den ersten und den letzten Wald im Zeitalter der Klimakrise. Die Anregung der Sinne durch speziell angefertigte Räucherstäbchen erzeugt eine intime Erfahrung, die die Teilnehmer*innen an das menschengemachte Artensterben erinnern soll. To Burn, Forest, Fire wird an fünf Terminen im Laufe der Ausstellung aktiviert.

Ecologies in Motion - Kunsthalle Düsseldorf unterwegs im Malkastenpark.
Die Natur, die Landschaft und der Mensch. Stefanie Bühler bringt einen Augenzeugen in den Park. Dieser Schuppenbaum ist längst ausgestorben. Bühler gestaltete die Skulptur 2013 nach wissenschaftlichen Ergebnissen. Vor mehr als 300 Millionen Jahren war der Baum sehr verbreitet. Die riesigen Wälder aus Schuppenbäumen und anderen Pflanzen wurden zu Steinkohle.

Klaus Fritze hingehen befasst sich direkt mit ökologischen Gegebenheiten vor Ort. Er inszeniert mit Parklabor Tilia 2.0 eine Versuchsanordnung, in der u.a. Algen gezüchtet werden und Dioramen Einblicke in die kryptogame Welt ermöglichen.

Auch Kanade Hamawaki beschäftigt sich in ihrer Arbeit Zukunftsarchäologische Anstalt 2026/51.229928, 6.788207 mit dem Malkastenpark und untersucht ihn als Ergebnis einer rund 400-jährigen Geschichte von sozialer, ästhetischer und ökologischer Nutzung, Veränderung und Instandhaltung.

Ecologies in Motion - Kunsthalle Düsseldorf unterwegs im Malkastenpark.
Kanade Hamawaki

Temitayo Ogunbiyis Installation You will forge paths beyond your grandmother’s imaginings (II) (2025) rückt das Spiel in den Fokus. Ogunbiyi erkundet die Möglichkeiten des Spiels und hinterfragt zugleich unser Verständnis davon, indem sie es mit historischen und gegenwärtigen politischen Erfahrungen von Raum, Tradition und Natur verknüpft.

Ecologies in Motion - Kunsthalle Düsseldorf unterwegs im Malkastenpark.
Playground: Temitayo Ogunbiyi fand in Lagos keinen Spielplatz für ihre Kinder. Sie lädt häufig dazu ein, zusammen zu spielen und sich zu bewegen. Ihre Stangen erinnern an Pflanzen oder an die kleinen Zöpfe in traditionellen Frisuren.

Mit sozialer Interaktion setzt sich auch Aslı Hatipoğlu auseinander. Sie nutzt Essen als Medium und hat eigens für die Ausstellung zwei Arbeiten produziert: Der Ginkgo-Baum und die Tilia euchlora bilden die Grundlage für fermentierte Biofilme, die einen lebendigen Abdruck der Bäume darstellen. Darüber hinaus inszeniert sie am 23. August einen kulinarischen Spaziergang, in dem sie mit viel Humor und fundierter Recherche reale und fiktive Geschichten mit der Geschichte der Pflanzen im Park verbindet, während die Gäste sorgfältig zusammengestellte Häppchen probieren können.

Das Essen als älteste Kulturtechnik steht auch im Mittelpunkt von Arpad Dobribans künstlerischer Arbeit. Er serviert dem Publikum ein mehrgängiges Menü von Speisen, die er selbst vor- und zubereitet sowie kocht, häufig unter Verwendung eigens hergestellter Zutaten. Für die Ausstellung konzipierte er Feuer Wasser Erde Luft. Transformation durch die Elemente – Eine Speisefolge in vier Stationen mit Vorträgen von Arpad Dobriban. Die Veranstaltung findet am 5. Juli im Malkastenpark statt.

Malkastenpark
Jacobistraße 6A
40211 Düsseldorf
Öffnungszeiten: Täglich, 11–17 Uhr
Eintritt: 2 Euro

Die Geschichte des Malkastenparks


Christoph Westermeier, erster Vorsitzender des Künstlervereins Malkasten, erläutert die historische Bedeutung der Institution als „Safe Space“ für die Düsseldorfer Künstlerschaft. Er schlägt den Bogen von der demokratischen Selbstermächtigung im 19. Jahrhundert bis hin zur aktuellen engen Kooperation mit der Kunsthalle Düsseldorf, wobei der Malkastenpark als zentraler Akteur fungiert. Nachfolgend der Redebeitrag:


[…] Denn im neunzehnten Jahrhundert hat sich die Düsseldorfer Künstler:innenschaft selbst ermächtigt zu sagen: „Wir brauchen Ordnung. Wir brauchen eine Struktur.“ So wurde der VDDK gegründet und 1848, der Malkasten. Also, es ist so ein ganz grunddemokratischer Gedanke, dass aus der Künstlerschaft heraus gesagt wird: „Wir brauchen Strukturen und diese Strukturen, die müssen irgendwie so einen, heute würde man sagen, Safe Space schaffen. Und diese Art des Safe Spaces ist dann hier im Malkasten für die Künstlerschaft gelandet. Im neunzehnten Jahrhundert haben Künstlerinnen und Künstler Bilder verkauft und von dem Erlös ein altes Anwesen, was zum Verkauf stand, gekauft. Und zu diesem Anwesen gehörte ein ganz großer Park. Da hat man mal gedacht, da macht man einen Kopfbahnhof mit. Neunzehntes Jahrhundert sind Kopfbahnhöfe ganz en vogue gewesen und aus ganz Westfalen wären die Züge angekommen.



Die Düsseldorfer Bürgerschaft fand es nicht gut und hat dann so gesagt: „Dann nehmen wir doch mal nicht den Geldmann, sondern den Maler, die Malerfamilie, haben sehr viele Bilder verkauft, um zu sagen: „Ja, wir wollen das für die Künstlerschaft kaufen.“ „Wir wollen das haben.“ Und was noch fehlte, war ein Ausstellungsraum. Deswegen hat man den preußischen Staat dazu eingeladen, zu sagen: „Wir brauchen eine Kunsthalle.“ Und so wurde 1881 am Grabbeplatz eine Kunsthalle eröffnet und da gab’s einen Eröffnungszug hier vom Malkasten hin zum Grabbeplatzplatz.



Und diese historische Verbindung, die sehr viele politische Systeme und bauliche Veränderungen mit sich gebracht hat, wurde immer wieder neu belebt und immer wieder gab es so Verbindungen, dass die Künstler:innenschaft aus diesem Safe Space Malkasten heraus gesagt hat: „Wir brauchen auch andere Orte.“ Und als in den neunziger Jahren die Kunsthalle aufgelöst werden sollte, hat es hier im Malkasten eine große Veranstaltung gegeben, wo gesagt wurde: „Nein, wir retten unsere Kunsthalle.“ Und dann wurde quasi dieser Geist des neunzehnten Jahrhunderts wiederbelebt. Jetzt sind wir im einundzwanzigsten Jahrhundert und auch die Kunsthalle ist mal wieder in neuen Strukturierungen. Und als es darum ging, dass die Kunsthalle ein bisschen auf Wanderschaft geht, haben wir gesagt, dass der Malkasten ein ganz guter Ort wäre, wo man auch aufschlagen könnte, da es diese großen Verbindungen gibt und diese historischen Zusammenhänge und so freue ich mich sehr, dass wir jetzt hier im Malkastenpark den Aufschlag machen können. Wir haben als Malkasten gesagt, dieser Park soll eigentlich ein bisschen im Mittelpunkt unseres ganzen Jahresprogramms stehen […].

Christoph Westermeier, erster Vorsitzender des Künstlervereins Malkasten

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www-kunsthalle-duesseldorf.de