564 Jahre und jüngst ertüchtigt.
Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke besichtigt ältesten vollständig erhaltenen Burgendachstuhl im Rheinland.

Regine Weber, Eigentümerin von Burg Muldenau in Nideggen, verbindet mit der kleinen Burg in der Eifel, die seit 1845 in Familienbesitz war, eine besondere Liebesbeziehung.

„Der Gedanke an die Burg ließ mich nach dem Tod meiner Großmutter nicht los. Sollten wir die Generation sein, die die Burg verkauft? Und so traf ich meine Entscheidung. Nach über zehn Jahren weltweiter Reisetätigkeit zog ich Ende 2022 von Rom nach Muldenau.“
Regine Weber, Bauherrin
Meine Familie ist seit 1845 auf der Burg und zuletzt hat meine Großmutter 35 Jahre lang hier gelebt. Und dann war die große Frage, als meine Großmutter 2021 starb, was machen wir hier mit. Es war klar, dass es eine große Herausforderung wird und man war sich nicht ganz bewusst war, wie es hier weitergeht. Ich war zu dem Zeitpunkt in Rom. […] So stand uns erst einmal die Zeit der Ungewissheit ins Haus. Es kam immer wieder die Frage, sollen wir das verkaufen. Sind wir wirklich die Generation, die das verkauft. […] Ich bin immer wieder mal vorbeigekommen und so ganz hat mich die Burg nicht losgelassen. Dann war irgendwann der Zeitpunkt gekommen und zwar 2022 und Corana war da. Denn auf einmal war es möglich, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Mein Arbeitgeber hat es mir möglich gemacht. […] So bin ich gegen jeden Rat, 2022 von Rom nach Muldenau gezogen und habe das Abendessen auf der Piazza gegen Feinstaub nach Feierabend getauscht. […] Ich habe mein Leben umgekrempelt und lebe nun im beschaulichen Muldenau.

Ein Glück auch für die Denkmalpflege. Denn Untersuchungen des Sachgebiets Bauforschung im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) haben ein spektakuläres Ergebnis erbracht: Mit 564 Jahren ist der hölzerne Dachstuhl von Burg Muldenau der älteste vollständig erhaltene Burgendachstuhl im gesamten Rheinland. Den zu besichtigen war heute auch Anlass für Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke, Leiterin des Denkmalpflege-Fachamts im Rheinland, sich nach Nideggen-Muldenau auf den Weg zu machen.

„Es ist eine tolle Sache, wenn wir als Denkmalpflege-Fachamt dazu beitragen können, die Geschichte eines Denkmals zu erschließen. Dass wir mittels Dendrochronologie das Alter der verbauten Hölzer so genau datieren können, ist eine großartige neue und seltene Kompetenz“, so Pufke.

Dr. Kristin Dohmen, Bauforscherin im LVR-ADR, hat mit ihrem Team die Bauhölzer analysiert: „Im Winter 1461 wurden die Eichen gefällt. Im Frühjahr 1462 wurden sie verbaut. Und sie stehen noch heute – vollständig und original. Mit diesem Wissen konnte eine besonders sensible und substanzschonende Ertüchtigung des Dachwerks durchgeführt werden – gewissermaßen ein best-practice-Beispiel für Denkmalpflege an historischer Holzkonstruktion.“

Dass der 564 Jahre alte Dachstuhl überhaupt ans Licht kam, ist seiner Bauherrin Regine Weber zu verdanken, die sich die Denkmalpflege zu ihrem persönlichen Anliegen macht: Um die Burg ihrer Großmutter in die Zukunft zu führen, verließ sie ihren Arbeits- und Wohnort in Italien und managt seitdem mit großem Engagement die Sanierung der Burg. In enger Zusammenarbeit mit der Bauforschung des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) wurde die spannende Baugeschichte aufgearbeitet.

Das erhaltene Dach- und Tragwerk ist bezüglich seines Alters und seiner Vollständigkeit bislang singulär im Rheinland. Neueste Technologien kamen zudem bei der 3D-Vermessung des Burghauses zum Einsatz.

Welche spannenden Erkenntnisse Stück für Stück gewonnen werden, bleibt nicht verborgen: Die Bauherrin lässt die Öffentlichkeit über ihren Instagram-Kanal daran teilhaben. Ein Glücksfall für die Denkmalpflege und aus gutem Grund Bereisungsziel der Leiterin des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland.
https://www.instagram.com/burgmuldenau
https://www.instagram.com/lvr_denkmalpflege

Wir sehen diesen Blauton. Das ist Ultramarin-Blau, das ist synthetisch-künstlich hergestellt worden, das gab es vorher nicht als natürliche Farbe, 1834 von Carl Leverkus. Und dann guckt man sich die ganzen Schichten an und sieht, unter dem Ultramarin liegen aber bestimmt 34 Schichten, pro Generation gestrichen. […] Der Balken ist schon sehr sehr früh gebrochen, möglicherweise schon nach dem Einbau. Wir können auf jeden Fall sagen, dieser Verputz ist ein barocker Verputz, damit sind wir im Jahr 1606. Also der Balken war schon 1606 gebrochen.
Dr. Kristin Dohmen, Sachgebietsleitung Bauforschung im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland








