Wanderausstellung vom 3. Februar bis 22. März 2026 im LVR-Landesmuseum Bonn.

Archäologie im Rheinland 2025. Wanderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn.

Fast 400 Millionen Jahre alte Riffbewohner, luxuriöse römische Glaskunst, die liebevolle Bestattung des Knaben Neutus und ein ultramarinblaues Wunder – all dies und vieles mehr erwartet Sie in der neuen Ausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland präsentiert in seinem archäologischen und paläontologischen Jahresrückblick einmal mehr aktuelle Funde und erste Forschungsergebnisse. Die Schau bietet faszinierende Einblicke in die Vergangenheit des Rheinlandes von der Erdgeschichte bis in die Moderne und zeugt vom reichen kulturellen Erbe „unter unseren Füßen“.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem LVR-Landesmuseum Bonn, dem LVR-Archäologischen Park Xanten, den Römerthermen Zülpich-Museum der Badekultur, dem Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln, dem MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln, den Universitäten Köln und Bonn, der Stadtarchäologie Duisburg sowie Grabungsfirmen und privaten Leihgebern.

Bei der Pressekonferenz am 2. Februar 2026 standen zur Verfügung:


Neueste Forschungsergebnisse und herausragende Funde des Jahres 2025 aus Archäologie und Paläontologie


Auf der vielbesuchten Fachtagung des LVR-ABR tauschen sich auch in diesem Jahr wieder die Akteure der rheinischen Landesarchäologie über aktuelle Ausgrabungen, Forschungen und Funde im LVR-Landesmuseum Bonn (LVR-LMB) aus. Dort ist zudem im 4. Obergeschoss bis zum 22. März 2026 in der Ausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“ eine Auswahl an besonderen Neufunden zu sehen.


Erdgeschichte

Kaum zu glauben, aber wahr: NRW lag einst auf der Südhalbkugel. Vor über 380 Mio. Jahren befand sich hier während des Mitteldevons (388-382 Mio. Jahre) ein Flachmeer, in dem sich eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt tummelte. Versteinerte Zeugen dieser fernen Vergangenheit sind heute ausgestorbene Gruppen der Schwämme und Korallen, die sich aufeinander aufbauten und so die Grundlage für ausgedehnte Rifflandschaften bildeten. Muschelähnliche Brachiopoden, Grünalgen und Trilobiten bevölkerten die einstigen Lagunengründe. Ihre Überreste haben sich an verschiedenen Fundstellen in Bergisch-Gladbach erhalten.

Archäologie im Rheinland 2025. Wanderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn.

Auch in Dahlem herrschten einst marine Verhältnisse. Bei einer Gartenbaumaßnahme konnte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter zahlreiche Blöcke sicherstellen, in denen sich Fossilien erhalten hatten. Eine nachfolgende Untersuchung durch das LVR-ABR brachte das Kalkskelett einer Koralle zutage, die ebenfalls aus dem Mitteldevon stammt. Das sehr gut erhalten Exemplar zeigt eindrücklich den Aufbau der Koralle, bei dem es sich nicht um einen einzigen Organismus, sondern um eine Kolonie aus vielen Korallentierchen (Polypen) handelt.

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Zu den „Big Five“ der fossilen Früchte und Samen aus den Tagebauen zählen die fossilen Verwandten der Walnuss (Juglans bergomensis). Diese gelten als typisches Leitfossil für das Pliozän vor ca. 5,3-2,6 Mio. Jahren im Rheinischen Braunkohlenrevier. Die fossile Art ist eng mit der Butternuss verwandte, die noch heute im östlichen Nordamerika wächst.

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Urgeschichte

Auf einem 1,2 km langen Abschnitt wird bei Geldern-Pont der Flusslauf der Niers zu Renaturierungszwecken umgestaltet. Beiden damit einhergehenden Bodeneingriffen konnten drei mittelsteinzeitliche (9600-5300 v. Chr.) Fundplätze eingehend untersucht werden. Besonders spannend erwies sich hierbei der nördlichste Abschnitt (Geldern-Pont Ill): Ausgrabungen der archäologischen Fachfirma arthemus brachten über 180 mesolithische Feuersteinartefakte und zahlreiche Fragmente von verbrannten Quarz- und Quarzitgeröllen zutage, die auf einen großen Lagerplatz schließen lassen. Bei weiteren Untersuchungen wurden auf einer Fläche von 3200 m2 zudem über 1000 weitere Funde entdeckt. Spannend ist vor allem der Fund einer rhombisch-trapezförmigen Pfeilspitze. Eine spezielle Form ist bisher ausschließlich aus den südlichen Niederlanden und dem nördlichen Belgien bekannt. Dieser Fund ist hier der erstmalige Nachweis der letzten von Jagen und Sammeln lebenden Menschen der späten Mittelsteinzeit (6. Jt. v. Chr.) an dieser Stelle.

Nicht ganz so alt sind Siedlungsreste, die archäologische Untersuchungen der Fachfirma Minerva X in der Orbach-Aue bei Swisttal-Odendorf ans Licht brachten: Sie stammen aus der mittleren Jungsteinzeit (4800-4500 v. Chr.). Hier konnten aus einer Grube 94 Scherben geborgen werden, die von mehreren handgeformten Keramikgefäßen stammen. Viele dieser Scherben tragen charakteristische Verzierungen, die der Großgartacher (4800-4600 v. Chr.) und der Rössener Kultur (4650-4500 v. Chr.) zugeordnet werden können. Spuren von Pfostenlöchern lassen außerdem auf mindestens einen Hausgrundriss schließen.

Archäologie im Rheinland 2025. Wanderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn.

Im Süden einer riesigen Gewerbefläche bei Euskirchen-Großbüllesheim in der seit 2012 archäologische Maßnahmen stattfinden, konnte Ende 2024 die letzte archäologisch geplante Ausgrabung durchgeführt werden. Dabei wurde ein Doppelkreisgraben mit einem äußeren Durchmesser von 18 m untersucht, der bereits von Luftbildern der 1980er-Jahren bekannt ist. Im Inneren der Gräben befand sich eine Brandbestattung, die über Lücken im Südosten der Gräben zugänglich war. Es handelte sich dabei um das Grab einer erwachsenen Person, vermutlich einer Frau. Ihre Asche wurde ohne Keramikgefäße oder andere Beigaben in einer tiefen Grabgrube beigesetzt. Eine Radiokarbondatierung der verbrannten sterblichen Überreste (der sog. Leichenbrand) ergab eine Datierung in die ältere Bronzezeit (2150-1300 v. Chr.). Für diese Zeit sind im Rheinland nur sehr wenige Grabfunde bekannt.

Bei einer lizensierten Suche mit dem Metalldetektor gelang auf einem Acker nördlich von Pulheim-Brauweiler ein seltener Fund: Bei dem etwa 5 cm langen Objekt handelt es sich um den Kopf eines Tüllenhammers, der in die späte Bronzezeit (1300-800 v. Chr.) datiert. Solche Werkzeuge kamen bei der Herstellung und Bearbeitung von Blech zum Einsatz, der sog. Toreutik. Die geringe Größe des Hammerkopfes lässt vermuten, dass damit feinere Toreutikarbeiten durchgeführt wurden. Werkstätten für die Verarbeitung von Metall sind aus dieser Zeit für das Rheinland nicht bekannt. Das Objekt aus Brauweiler stellt hierfür einen seltenen Nachweis dar.

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Die Fachfirma Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege konnte im südöstlichen Stadtgebiet von Düren vier Urnenbestattungen der späten Bronze- bis älteren Eisenzeit (1000-620 v. Chr.) dokumentieren, von denen eine im Block geborgen und später in den Werkstätten des LVR-Landesmuseums Bonn freigelegt und restauriert wurde. Es handelte sich um eine große Zylinderhalsurne, in deren Innerem neben Leichenbrand noch weitere keramische Beigefäße enthalten waren.

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Aus der mittleren Eisenzeit (600-400 v. Chr.) wurde im Vorfeld des Tagebaus Garzweiler ein großer Siedlungsplatz freigelegt. Die über 2300 Befunde nahe der ehemaligen Ortschaft Erkelenz-Lützerath lassen neben Wohn- und Speicherbauten auch Zäune, Teiche sowie Vorrats- und Abfallgruben rekonstruieren. Darunter auch ein sog. Wandgräbchenhaus – ein im Rheinischen Lössgebiet seltene Bauform. Interessant sind ebenfalls gefundene Fragmente von Salzröhrchen, sog. Briquetage, die der Gewinnung und dem Transport von Salz dienten. Offenbar bestand hier ein Kontakt zur Nordseeregion. Der Platz war aber nicht erst in der Eisenzeit besiedelt: Ein vollständiges, geschliffenes Steinbeil und ein weiteres Fragment aus sog. Rijkholt-Feuerstein aus den Niederlanden deuten neben weiteren Funden darauf hin, dass sich hier bereits Menschen in der die jungneolithischen Michelsberger Kultur (4300-3500 v. Chr.) aufhielten. Funde aus der Römerzeit weisen auf eine Siedlung in dieser Zeit hin.

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Bei bauvorgreifenden Untersuchungen auf der Amprion-Gleichstromtrasse in Uedem-Uedemerbruch konnte die Fachfirma Archaeonet GbR Siedlungsspuren der mittleren Eisenzeit (600-400 v. Chr.) ergraben. Aus einer einzigen Grube stammen 462 Scherben von mindestens 15 verschiedenen Gefäßen. Das Spektrum umfasst typisches Haushaltsgeschirr, das zum Zubereiten, Essen und Aufbewahren von Speisen genutzt wurde. Darüber hinaus belegt das Fragment eines Reibsteins, ein sog. Napoleonshut, das Getreide verarbeitet wurde.

Römische Epoche

Bei archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der Kiesgewinnung kam in Alpen-Huck eine kleine Gruppe von vier römischen Brandgräbern zutage. Sie gehörten vermutlich zu einer nahegelegenen Siedlung und datieren in das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. In einem der Gräber war ein etwa neun Jahre alter Junge beigesetzt worden. Das Besondere: Seine Asche war mit einem Teller bedeckt, auf dessen Unterseite der Name „Neutus“ eingeritzt ist. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um den Namen des Jungen. Der Leichenbrand befand sich zudem zum Großteil in einer Holzkiste, von der sich einige Metallbeschläge und ein für römische Zeit seltenes Drehschloss erhalten haben. Solche Schlösser waren deutlich komplizierter und teurer als die damals üblichen Hebeschlösser. Daneben wurden dem Kind ungewöhnlich viele Keramikgefäße (24 Stück) beigegeben, darunter auch hochwertiges Geschirr. Der Fund verdeutlicht die große Liebe und Sorgfalt der Angehörigen, die den jungen Neutus auf seiner Reise ins Jenseits gut versorgt wissen wollten.

Archäologie im Rheinland 2025. Wanderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn.
Archäologie im Rheinland 2025. Wanderausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn.

Ein ebenfalls außergewöhnlich ausgestattetes Brandgrab stammt aus Kleve-Kalkar. Hier fand ein lizensierter Sondengänger auf einem Acker eine gut erhaltene Kanne aus Bronze, die er vorbildlich meldete. Bei einer Nachuntersuchung durch das LVR-ABR wurden noch drei weitere Bronzegefäße sowie Keramikgeschirr und Glasgefäße entdeckt. Die Funde datieren in das 2. Jahrhundert n. Chr. Auch wenn sich keine konkreten Grabspuren fanden, sprechen die Positionen der Gefäße und Reste von Leichenbrand für einen Grabfund.

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Im Vorfeld des Tagebaus Hambach wurde zudem ein weiteres römisches Brandgrab des 3. Jhs. n. Chr. mit reicher Ausstattung gefunden. Bei Kerpen-Manheim befanden sich im unmittelbaren Umfeld eines römischen Gutshofes insgesamt 15 Gräber, von denen eines mit mehreren Beigaben unterschiedlichster Formen und Materialien versehen war – darunter Glas, Bronze, Gold und Elfenbein. Die Grabbeigaben decken dabei ein breites Spektrum ab: Glaskrüge und feines Geschirr spiegeln gehobene Tischsitten wider, Behälter für Cremes und eine Schminkpalette stehen für Schönheitspflege, ein Tintenfässchen deutet auf Bildung hin und die kleine Terrakottafigur einer Göttin verweist auf einen religiösen Aspekt.

Einen besonderen Einblick in die römische Kultur bietet hingegen eine teilweise erhaltene Theatermaske aus Bonn. Mehrere Bruchstücke aus feinem, weißem Ton lassen, neben der markant ausgeformten Augenpartie, Teile von Nase und Mund sowie beide Ohren erkennen. Auf der Stirn liegt ein Kranz aus Blättern, an dem sich rosafarbene Reste der ursprünglichen Bemalung erhalten haben. Kleine Löcher deuten darauf, dass die Maske mit Bändern befestigt werden konnte. Das Stück gehört zu einer Serie von Masken, die am Kölner Hahnentor im 2. Jh.n. Chr. hergestellt wurden.

Ebenfalls aus feinem Ton ist die sog. Terra Sigillata. Die typisch rot glänzende feine Speisegeschirr der Römer erlaubt oftmals Rückschlüsse auf Handelswege und Logistik im Römischen Reich, denn in den Ton eingedrückte Stempel auf den Gefäßböden verraten oft Hersteller und Produktionsort. So auch bei insgesamt 30 Gefäßresten mit Stempel aus Neuss-Gnadenthal. Sie weisen auf einen Import der Ware aus Töpfereien in Arezzo, später auch aus Pisa und Lyon, an den Rhein in der Zeit von ca. 15 v. Chr. bis 15 n. Chr. , wohl vor allem für das hiesige römische Militär. Danach übernahmen bis zum Anfang des 2. Jhs. Betriebe aus dem südfranzösischen La Graufesenque monopolartig den Handel mit Terra Sigillata.

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Von ganz gegenteiligem Kaliber zur feinen Keramik ist ein schwergewichtiger Fund aus Alt-Inden. Hier wurde ein massives Architekturfragment entdeckt, das offenbar während der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2021in den Tagebau Inden gespült worden war. Der schwere Steinquader weist Teile einer römischen Inschrift auf: Zu erkennen sind u.a. eine typische Grabformel der Römer und der Name „Sabina“. Vermutlich gehörte der Block zu einem größeren Grabmonument oder zu einem sog. Pfeilermonument. In der Forschung wird angenommen, dass derartige Grabbauten im Indetal bei mehreren römischen Gutshöfen standen. Allerdings haben sie sich aufgrund des Steinraubs in späterer Zeit nur in Form von Fundamenten erhalten. Der Quader muss sich im Flussbett der Inde oder im ehemaligen Uferbereich befunden haben, bevor er in den Tagebau gelangte. Aufgrund der räumlichen Nähe erscheint ein Zusammenhang mit einer am Westufer gelegenen villa rustica im ehemaligen Ortskern von Alt-Inden wahrscheinlich.

Aufsehenerregende Funde und Erkenntnisse gibt es auch aus dem römischen Xanten. Aus dem Bereich des großen Legionslagers stammen zwei eiserne Gesichtsmasken, die zur prachtvollen Ausstattung der römischen Kavallerie gehörten. Obwohl die Masken dem Feuer ausgesetzt waren, sind sie fast vollständig erhalten. Außerdem nahm der LVR-Archäologische Park Xanten neue Forschungen zu einem rätselhaften Gebäudekomplex vor, der sich mit luxuriös dimensionierten Bauten und einer Gartenanlage mitten im Zentrum der antiken Zivilstadt Colonia Ulpia Traiana erstreckte.

In der Kölner Innenstadt begannen Ausgrabungen der Bodendenkmalpflege der Stadt Köln im Baufeld für die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud. In frührömischer Zeit lag das Areal im Bereich einer als Hafen genutzten Rheinnebenrinne. Diese trennte eine Insel von der auf einer Geländeerhebung am Ufer gelegenen Siedlung. Ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. füllte man die verlandende Rinne künstlich auf. Unter einer teils hochmittelalterlichen Wohnbebauung kamen bei der Ausgrabung mächtige Mauern spätrömischer Bauwerke zum Vorschein. Sie wurden auf der Verfüllung der Hafenrinne errichtet, nachdem der Baugrund stellenweise durch das Einrammen angespitzter Holzpfählen stabilisiert wurde. Die Anlage lag terrassenartig im ansteigenden Gelände und könnte mit der Erschließung der neu gewonnenen Fläche der ehemaligen Rinne vom Stadtplateau aus in Verbindung gestanden haben.

Mittelalter

Eine am Heumarkt begonnene Ausgrabung führte tief in die Stadtgeschichte von Köln. Auf einem zuletzt nur teilweise bebauten Grundstück legte man Reste eines Stadtquartiers frei, das im Zweiten Weltkrieg bei schweren Bombardierungen im Sommer 1943 zerstört und von Kriegsschutt überdeckt wurde. Es geht auf die Anlage des Heumarkts im 10. Jahrhundert zurück. Bei der Freilegung der Keller wurden die massiven Kriegseinwirkungen auf einen seit dem Mittelalter gewachsenen Baubestand sichtbar.

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Funde aus dem Kriegsschutt gewähren schlaglichtartig Einblicke in Leben und Arbeit der früheren Bewohner, deren Namen und Berufe sich teils aus Adressbüchern erschließen lassen. Ein sog. Königswinterer Backofen belegt eine Bäckerei, weitere Funde weisen auf einen Schuster und eine Gastwirtschaft hin. Aus den Haushalten stammen zahlreiche Alltagsgegenstände. Besonders aufschlussreich ist ein Kellerlager mit Glasflaschen mehrerer in den frühen 1940er Jahren in Deutschland um Marktanteile konkurrierender Softdrink-Produzenten, darunter Coca-Cola, Afri-Cola und Sinalco. Die Ausgrabung erbrachte auch Baureste der vorausgehenden mittelalterlichen Besiedlung, darunter Weberzunfthäuser, die im 14. Jahrhundert abgebrochen wurden. Die gehobene Ausstattung dieser Bauten bestätigt der Nachweis einer Heißluftheizung. Diese Heizungen waren im Hochmittelalter äußerst selten und sind bisher fast ausschließlich aus Burgen und Klöstern bekannt.

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Die Fachfirma LQ Archäologie begleitete in Wuppertal-Elberfeld Bauarbeiten an der spätmittelalterlichen Burganlage Elberfeld. In einem Befestigungsgraben wurden dabei zwei Tonfiguren aus weißem Pfeifenton gefunden. Es handelt sich dabei um sog. Kruseler-Püppchen aus dem 14. bis 15. Jahrhundert, die zumeist Heilige oder andere sakrale Bildmotive zeigen. Diese Heiligenfiguren wurden in großen Mengen in Köln produziert und vor allem an Pilger verkauft. Die beiden Figurinen aus Elberfeld zeigen einen Engel mit Kreuzstab und eine sitzende männliche Figur mit Winkelmaß und Zirkel, die vermutlich den Heiligen Thomas darstellt.

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Figürchen und noch mehr kamen auch in der Aachener Franzstraße im Bereich des ehemaligen Klosters St. Leonhard und des nahegelegenen Töpfereibezirks zutage. Die Fachfirma Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege führte hier im Rahmen von Baumaßnahmen archäologische Untersuchungen durch. Zahlreiche spätmittelalterliche und neuzeitliche Funde zeugen vom Leben in diesem Stadtbereich. Aus dem Bereich der Töpferei stammen unter anderem Keramikgefäße, Ofenwandungen und Tonmodel, während sich im Klosterbereich Prunkkeramik aus Siegburg und Raeren fand. Zu den weiteren Funden zählen niederländische Kacheln, Figürchen aus Steinzeug, ein Pfeifenkopf mit Darstellung des heiligen Cornelius aus Kornelimünster und diverse Metallfunde.

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Neuzeit

Ein besonderer industriearchäologischer Fund bot sich in Duisburg. Hier legte die archäologische Fachfirma ABS im Vorfeld von Bauarbeiten die Reste einer Ultramarinfabrik frei. Die Stadt hatte während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der deutschen Chemieindustrie. Im Jahr 1849 gründete Friedrich W. Curtius im Duisburger Dellviertel eine Fabrik zur synthetischen Herstellung des Farbstoffes Ultramarin. Im Boden haben sich unter anderem die massiven Sockel der Dampfmaschinen, Reste der Öfen und die leuchtend blau verfärbten Absatzbecken erhalten. Zum Fundgut gehören unter anderem Schamotteziegel der Öfen, Maschinenteile und Gläser mit Pigmentproben. Herausstechen vor allem Mahlkugeln mit Resten der kräftigen blauen Farbe. Die Fabrik wurde 1878 erheblich erweitert und 1890 Teil der Vereinigten Ultramarinfabriken AG. Carl Leverkus kaufte sie schließlich auf und betrieb sie noch bis 1961.

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Auf dem ehemaligen Maarhof in Köln-Braunsfeld untersuchte die Bodendenkmalpflege der Stadt Köln die Entwicklung eines Gutshofs, der eine bedeutende Rolle für den 1888 nach Köln eingemeindeten Stadtteil spielte. Der Hof wurde erstmals 1493 schriftlich erwähnt. Im 19. Jahrhundert richtete die letzte Besitzerfamilie dort eine Rübenkrautfabrik als Nebenerwerb zur Milchviehhaltung ein. Die Baureste der Fabrik erlauben es, technische Anlagen und Produktionsschritte der Rübenkrautherstellung nachzuvollziehen. Eine Besonderheit ist die Ausstattung mit dampfbetriebenen Maschinen und zugehörigem Kesselhaus. Diese Technik ist für Nebenerwerbsbetriebe des 19. Jahrhunderts ungewöhnlich und sonst vor allem aus den ab 1900 entstehenden Großbetrieben bekannt.

Interessante Befunde und Funde erbringt auch die von der Fachfirma archäologie.de begleitete Sanierung und Modernisierung des Akademischen Kunstmuseums in Bonn. Hier lassen sich in erster Linie die Spuren des 1822/23 errichteten Anatomischen Instituts fassen, auf das die heutigen Gebäudeteile des Kunstmuseums zurückgehen. So wurden die Fundamente und Fußböden des ehemaligen Instituts freigelegt sowie das ehemalige Hoftor mit noch im Boden sichtbaren Wagenspuren. Hierüber wurden damals Leichen für die Anatomie angeliefert, von denen sich vereinzelt noch Spuren in Form von vergrabenen Skeletten fanden. Im Bereich des Rotundenbaus hinter dem Eingang wurde außerdem ein Grundstein in Form einer steinernen Kiste mit Deckel gefunden. Die darin befindliche Platte datiert die Grundsteinlegung für das Anatomiegebäude in das Jahr 1822. Weiterhin wurde offenbar eine Statue aus Terrakotta zusammen mit Fassadenteilen im Bereich zwischen den Fundamenten für eine Treppe entsorgt. Die Figur, von der lediglich die Rückseite erhalten ist, trägt ein Gewand und einem Mantel mit floral verzierten Borten.

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Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V. gelang es unserem Amt etwas Licht in ein Kapitel des Zweiten Weltkrieges zu bringen. Anhand von Archivrecherchen vermutete die Arbeitsgemeinschaft die Absturzstelle eines Bombers der Royal Air Force bei Kerpen-Manheim*. Im Vorfeld des Tagebaus gelang es, diese Stelle zu lokalisieren und in enger Abstimmung mit dem Kampfmittelräumdienst Teile des Flugzeugs zu bergen; darunter Bestandteile des Motors und des Fahrwerks, Reste eines Gummirades, Plexiglasfragmente der Fenster und Instrumentenabdeckungen sowie ein Bord-MG und Munition. Auch persönliche Gegenstände kamen hervor, wie die Brusttasche einer Uniform mit einem Zigarettenetui darin, eine Schuhsohle, das Fragment einer Fliegerbrille sowie das Gurtzeug eines Fallschirmes. Zu den Funden zählen allerdings auch menschliche Knochen. Der Bomber des Typs Short-Stirling war im Juli 1943 auf dem Rückweg von einer Mission abgestürzt. Nur drei Mitglieder der siebenköpfigen Besatzung hatten sich während des Absturzes per Fallschirm retten können, vier weitere Personen gelten als vermisst. Derzeit wird eine Identifikation mittels DNA-Analyse versucht, um vielleicht Gewissheit über das Schicksal der vermissten Airmen zu erhalten.

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