Ausstellung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg vom 26. Februar bis 31. Mai 2026.


In seinen Bildern machte der Künstler Gerhard Hohme (1920-1989) das Unbegreifliche sichtbar.

… und die Steine fliegen wie Drachen im Wind – … entfliehen die Steine wie Drachen im Wind, 1981

Sein vielfältiges Werk hat bis heute nichts von seiner Faszination und Strahlkraft verloren. Als einer der prägenden Künstler der deutschen Nachkriegskunst nahm Hoehme bereits seit den frühen 1950er-Jahren eine zentrale Rolle in der Entwicklung der abstrakten Malerei ein. Seine Werke nehmen bis heute eine Schlüsselrolle in der Sammlung Ströher ein. Die umfangreiche Einzelausstellung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg widmet sich dem komplexen Gesamtwerk des Künstlers und bietet einen umfassenden Überblick über sein Schaffen.

Gerhard Hoehme. enträtsel nicht die Orte. Ausstellung vom 26.02.-31.05.2026 im MKM Museum Küppersmühle Duisburg.
Berliner Brief, 1966

Von Beginn an wirkte Hoehme stilbildend. Seine Innovationskraft trug maßgeblich zur Entstehung und internationalen Wahrnehmung des Deutschen Informel bei. Zugleich blieb er zeitlebens ein Suchender: Seine Bildfindungen entzogen sich früh jeder festen Kategorisierung. „Ich möchte ein Stück Unbegreifliches sichtbar machen, es aber im Unbegreiflichen lassen.“, schrieb der Künstler 1976 in seinem Text „Reflektionen“. In den frühen sogenannten Borkenbildern setzte er sich intensiv mit der Materialität der Farbe auseinander. In den späten 1950er-Jahren erforschte er die Möglichkeiten gestischer Malerei und verabschiedete sich bewusst von herkömmlichen Regeln des Bildaufbaus. Hoehme nutzte seinen Erfindungsreichtum, um Werke zu schaffen, deren große Ausdruckskraft er stets offen und in der Schwebe hielt. Diese Offenheit lässt seine Arbeiten stets neu erfahren, sie sind und bleiben für jedes neue Publikum faszinierend und aktuell.

Gerhard Hoehme. enträtsel nicht die Orte. Ausstellung vom 26.02.-31.05.2026 im MKM Museum Küppersmühle Duisburg.

Das Ausgreifen der Malerei in den Raum wurde zu einem wesentlichen Anliegen seines Werks. Nach Experimenten mit ungewöhnlichen Bildformaten — die das spätere Shaped Canvas eines Frank Stella um Jahre vorwegnahmen – integrierte Hoehme Schläuche und andere raumgreifende Elemente direkt in seine Arbeiten. Damit überschritt er konsequent die Grenzen der klassischen Tafelmalerei.

honest Joe, 1969/70

Eine entscheidende Erweiterung seiner künstlerischen Konzeption erfolgte durch den eigenwilligen Umgang mit Handschrift, Sprache und Schrift. Hoehme bezog Texte aus avantgardistischer Lyrik ebenso ein wie politische Kampfbegriffe oder Fragmente aus der Werbesprache. In diesen Arbeiten manifestiert sich früh eine humanistische und demokratische Haltung, die bereits in den 1960er- Jahren die Vision eines ungeteilten Deutschlands formulierte — eine Entwicklung, deren Verwirklichung im November 1989 der Künstler selbst nicht mehr erleben konnte.

Gerhard Hoehme. enträtsel nicht die Orte. Ausstellung vom 26.02.-31.05.2026 im MKM Museum Küppersmühle Duisburg.
an der Schwelle zu Heliopolis – an jedem der Ufer ein anderes Bild, 1988

In den 1980er-Jahren entstand ein fulminantes Spätwerk: eindringliche Großformate von außergewöhnlicher Dichte, emotionaler Intensität und poetischer Intimität. Hier verband Hoehme seine vom Informel geprägte Bildsprache mit einem weit gefassten literarischen und poetischen Referenzraum. Parallel zu den großformatigen Gemälden und Rauminstallationen schuf er ein umfangreiches Œuvre an Arbeiten auf Papier, darunter Aquarelle und Druckgrafiken.

Gerhard Hoehme war Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und prägte als Lehrer eine Generation bedeutender Künstlerinnen und Künstler, darunter Chris Reinecke und Sigmar Polke. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Essays zur Kunst, die 2010 in Buchform unter dem Titel Relationen. Texte-1952-1987 veröffentlicht wurden.

Gerhard Hoehme. enträtsel nicht die Orte. Ausstellung vom 26.02.-31.05.2026 im MKM Museum Küppersmühle Duisburg.
Lebensraum, um 1960

Mit rund 80 Arbeiten präsentiert das MKM Museum Küppersmühle eine der umfangreichsten Ausstellungen zu Gerhard Hoehme seit vielen Jahren. Neben zentralen Werken aus der Sammlung Ströher sind bedeutende Werkgruppen aus der Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung zu sehen.

Fotogalerie zur Ausstellung

Weitere Informationen unter: museum-kueppersmuehle.de.

Allgemeine Informationen über das MKM Museum Küppersmühle

Das MKM ist ein markantes Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert, das seinerzeit als Mühle errichtet und über 100 Jahre als solche betrieben wurde (bis zu ihrer Stilllegung 1972). Auf der Grundlage des vom britischen Architekten Sir Norman Foster entwickelten Masterplans erfolgte im Rahmen der internationalen Bauausstellung Emscher Park (1989–1999) die Umgestaltung der einstigen Industriebrache des Duisburger Innenhafens zu einem multifunktionalen Dienstleistungsareal am Wasser – mit Büro- und Wohnflächen, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten. Aus der „alten Küppersmühle“ wurde das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst.

MKM Museum Küppersmühle in Duisburg

Beauftragt mit dem Umbau wurden die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron. Sie verwandelten von 1997–1999 das alte Speichergebäude mit seiner historischen Backsteinfassade in ein Haus für die Kunst, das alle Anforderungen eines modernen Museums erfüllt – mit einer Ausstellungsfläche von rund 3.000 m² auf drei Etagen, deren Architektur durch Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche besticht. Mit dem Erweiterungsbau 2021 steigt die Ausstellungsfläche auf ganze 6100m².

Charakteristisch sind die durchgängig bis zu 6 m hohen weißen Wände, der Boden aus grauem türkischem Basalt und die Abfolge großzügiger Raumflächen. Die einzige Verbindung zur Außenwelt sind raumhohe Fensterschlitze, die in die denkmalgeschützte Fassade eingelassen wurden.

Die spektakulären Treppentürme von Herzog & de Meuron ziehen jährlich viele architekturbegeisterte Besucher:innen ins MKM. Der Besucher fühlt sich wie im Inneren einer gigantischen Skulptur.

MKM Museum Küppersmühle in Duisburg

Das MKM Museum Küppersmühle wird seit seiner Gründung 1999 von der Stiftung für Kunst und Kultur in Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die Sammlung Ströher im MKM.

© Text: MKM Museum Küppersmühle und Stiftung für Kunst und Kultur

Ein paar Fotos aus den Ausstellungen im MKM