Die Sammlung Maximilian und Agathe Weishaupt zu Gast.
Die neue Ausstellung wurde am 20. März 2026 in einer Pressekonferenz von Dr. Martina Padberg und Franziska Straubinger vorgestellt.

Ausstellung vom 22. März bis 21. Juni 2026 im Kunstmuseum Ahlen.

Leidenschaft, Offenheit für Neues und die Freude an überzeugender Gestaltung waren für Maximilian und Agathe Weishaupt die entscheidenden Triebkräfte, ab Mitte der 1980er Jahre eine Sammlung hochkarätiger Werke internationaler Gegenwartskunst aufzubauen. Wichtig waren auch die bereichernden Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern selbst. Als Initialzündung für ihre intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst bezeichnete Maximilian Weishaupt seine frühe Begegnung mit dem Werk des deutschen Malers und Grafikers Günter Fruhtrunk im Jahr 1967 in einer Galerieausstellung in München. Rund 15 Jahre später kam es dann zum Erwerb eines ersten Kunstwerks – einer Papierarbeit von Jean Tinguely.

Fast 40 Jahre später umfasst die Münchner Sammlung Weishaupt heute ein mannigfaltiges Spektrum an gegenstandsloser Kunst nach 1945. Die Begeisterung für künstlerische Ausdrucksformen, die von einer Tendenz zur Reduktion geprägt sind, führte zu einem Schwerpunkt von konkret-konstruktiven Kunstrichtungen und Werken der Farbfeldmalerei mit prominenten Namen wie Josef Albers, Rupprecht Geiger, Vera Molnár, François Morellet, David Nash, Sean Scully oder Sol LeWitt. Gleichzeitig sammelten Maximilian und Agathe Weishaupt mit einem nach vorne gerichteten Blick. Viele Positionen waren zum Zeitpunkt ihres Erwerbs noch unbekannt, ihr Interesse galt neben in Deutschland entstandener Kunst Künstlerinnen und Künstlern aus den USA, England, Italien, Frankreich oder Südkorea.

„Kunst soll leben und gesehen werden und nicht nur ein Dasein in Depoträumen fristen – das war meinem Mann und mir immer sehr wichtig.“ (Agathe Weishaupt). Seit 2018 werden Werke und Konvolute für Präsentationen ausgeliehen, 2019 waren bereits Werke von Günter Fruhtrunk aus der Sammlung im Kunstmuseum Ahlen zu sehen.
„Aus Leidenschaft. Die Sammlung Maximilian und Agathe Weishaupt zu Gast“ bietet die Gelegenheit, eine qualitativ herausragende, bislang öffentlich nur selten gezeigte Privatsammlung kennenzulernen. Die in enger Zusammenarbeit mit Agathe Weishaupt und Sammlungskuratorin Franziska Straubinger erarbeitete Präsentation zeigt rund 100 Exponate von 46 Künstler*innen. Eine Besonderheit der Ahlener Ausstellung ist die erstmalige Präsentation von Kunstwerken und Schmuckobjekten des 2018 verstorbenen Maximilian Weishaupt, der nicht nur ein passionierter Sammler war, sondern sich künstlerisch mit Räumen, geometrischen Körpern und Oberflächen auseinandergesetzt hat.



Der Ausstellungsparcours folgt keiner strengen Ordnung sondern einem teilweise assoziativen Prinzip, das auf visuellen, nationalen oder thematischen Verknüpfungen basiert. Themenräume wechseln mit Künstlerräumen und der Setzung spannungsreicher ästhetischer Dialoge. Der Rundgang wird mit monumentalen Arbeiten von François Morellet, Rupprecht Geiger, Inge Dick, Ulrich Erben, Annette Sauermann und Steffi Schöne eröffnet, die in verschiedenen Medien das Thema „Licht“ in den Fokus rücken und eine starke sinnliche Ausstrahlung haben. Morellets weiße Neonröhren bewegen sich mit tänzerischer Leichtigkeit über die Stirnwand des Eingangsraums.

Fließende, weiche Farbübergänge kennzeichnen die Malerei von Erben und Geiger ebenso wie die von Inge Dick fotografisch eingefangenen Farbsequenzen, die tageszeitliche Veränderungen des Lichts dokumentieren.
Im Erdgeschoss der historischen Villa geben Werke aus den 1960er Jahren von Josef Albers, Heinz Mack, des Op-A t „Gründungsvaters“ Adolf Fleischmann, von Walter Dexel oder Arturo Bonfanti, Einblick in die Anfänge der geometrischen Abstraktion nach 1945. Die Faltstele von Ben Muthofer im Kapellchen und Arbeiten des Künstlers Till Augustin, der kompaktes Glas mit Farbe hinterfängt oder mit einer Patina umhüllt, verbindet ihre räumliche Dynamik, die zur Bewegung vor den Objekten auffordert.

Wie Licht mal auf spiegelnden, mal auf matten Oberflächen intensive Farberlebnisse moduliert, zeigt sich in einem Raum, in dem durch Pressluft geformte Stahlkörper des Engländers Jeremy Thomas mit Farbfeldbildern von Jus Juchtman und Heiner Thiel in den Dialog treten.

Ein Künstlerraum zeigt Skulpturen und Zeichnungen des englischen Bildhauers David Nash, dessen Hauptthema die Natur ist. Er arbeitet vorwiegend mit Holz, das er mittels Einschneiden und Verbrennen und durch archetypische Gestaltungsformen in seiner naturgegebenen Transformation aber auch als Energieträger zur Wirkung bringt.

Im historischen Treppenhaus entfaltet eine mehrteilige Wandinstallation des „ZERO-Künstlers“ Christan Megert ein geheimnisvolles Zusammenspiel von Licht, Farbe und Raum, das auch die mit lasierender Farbe gestalteten Metallbilder von Camill Leberer auszeichnet. Die reflektierenden, dynamischen Farbfeldbilder des Stuttgarter Künstlers haben im Salon des Altbaus einen Einzelauftritt.


Ruhige kontemplative Räume wechseln im 1. Obergeschoss mit Kabinetten, in denen intensive Farben die Wahrnehmung herausfordern. David Ortins als auch Philip Baldwin & Monica Guggisberg verleihen grafischen Strukturen durch Wachs oder den feinen Anschliff ihrer Glaskörper eine zurückhaltende, sich langsam entwickelnde Dynamik. Eine starke Präsenz von Körper und Raum artikuliert sich in der meiserhaft gearbeiteten Filzfaltung von Peter Weber und in konstruktiv geschichteten Kompositionen von Christoph Freimann, Ernst Geitlinger oder Catherine Lee.

In einem Raum mit Bildern der US-amerikanischen Künstler Peter Halley und Robert Sagermann verbreiten kräftig, leuchtende Farbtöne eine vibrierende Energie. Diese tritt in ein Spannungsverhältnis zu festen Flächeneinteilungen und beeinflusst die Wirkung und Modulation der amorphen Körper von Bill Thompson.

Das Werk besteht, wie der Name schon aussagt, aus 17.916 Farbtupfern.

Das Interesse des Sammlerehepaars für moderne asiatische Kunst ermöglicht interessante Dialoge zwischen westlicher und östlicher Kunst. Die Gestaltung einer keramischen Arbeit des Japaners Ichino Masahiko korrespondiert in ihrer Schwingung mit zwei benachtbarten Tuschezeichnungen des amerikanischen Minimal-Künstlers Sol LeWitt. Großformatige, Bilder von Ha Chong-hyun, Park Seo-bo oder Yun Hyong-keun, Künstler der in den 1960er Jahren entstandenen „Dansaekhwa“ Bewegung in Südkorea, treffen im Neubau auf fein nuancierte, erdfarbene Gemälde des in New York lebenden Iren Sean Scully. Ihre aus langsamen Fließbewegungen und filigranen Strukturierungen entstandenen Bildräume erzeugen eine vielschichtige Stille, eine Wirkung, die sich auch in den Wandobjekten von Nigel Hall und Julia Mangold im gleichen Raum wiederfindet.


In der Sammlung Weishaupt sind Künstlerinnen verschiedener Generationen vertreten: Vera Molnár ist zu sehen mit einer wandfüllende Bildserie, in denen sie nach Zufallsprinzip wechselnde Anordnungen geometrischer Formen generiert hat. Die kürzlich in hohem Alter in Paris verstorbene ungarische Künstlerin, gilt als Pionierin der Medienkunst, da sie schon früh Computer in der Konzeption ihrer Arbeiten einsetzte.

Im 2. Obergeschoss rücken schwarz-weiße Werke zum Abschluss der Ausstellung die Linie als gestaltendes Element in den Blick. John Carter und Nakajima Osamu arbeiten mit scharfen Kanten und offenen Zwischenräumen, die ihre kompakten Holz- und Marmorobjekte massgeblich mitgestalten.

Das Künstlerduo John und Joe Dumbacher oder die britische Künstlerin Edwina Leapman bewegen und lasieren ihre Zeichnungen im Entstehungsprozess und verleihen ihnen hierdurch einen fragilen naturhaften Ausdruck.

Die Präsentation der Sammlung Weishaupt besticht durch die Vielfalt künstlerischer Positionen, die grundlegende Themen und Fragen zeitgenössischer Kunst berühren. Vor allem ermöglicht sie intensive Wahrnehmungserfahrungen: eine selten gewordene Qualität der Stille, ein Angebot zur Fokussierung und Konzentration und ein Potenzial der Freude an Schönheit und Gelungenem.


Zur Ausstellung ist ein Katalog mit einem einführenden Beitrag der Sammlungskuratorin Franziska Straubinger sowie Abbildungen und Werktexten zu allen in der Ausstellung vertretenen Künstler*innen erschienen. Er kostet 28 €.

Ein Rahmenprogramm mit Sonderführungen, Kursen und Workshops für Kinder und Erwachsene ermöglicht, sich der gezeigten Kunst ästhetisch, künstlerisch und spirituell zu nähern. Der Internationale Museumstag am 17. Mai wird in Kooperation mit der Musikschule im Kreis Warendorf e.V. musikalisch begangen und bietet ein umfangreiches Mitmachangebot für Familien, in dem künstlerische Ideen und Techniken spielerisch erfahrbar werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.kunstmuseum-ahlen.de
Anfahrt mit der Bahn
Bis Bahnhof Ahlen. Von dort Richtung Fußgängerzone und geradeaus durgehen. In ca. 10 Minuten ist links das Kunstmuseum.

