The Scharf Collection.

Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf vom 12. März bis 9. August 2026.

Monet, Cézanne, Matisse – Es gibt kaum einen wegweisenden Namen der Moderne, der nicht in der Scharf Collection vertreten ist. Erstmals wird die bedeutendste deutsche Privatsammlung des französischen Impressionismus und Post-Impressionismus der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit rund 180 Exponaten zeigt der Kunstpalast die beeindruckende Bandbreite der Sammlung, die vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Neben Meisterwerken von Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne und Pierre Bonnard werden auch Arbeiten von Henri de Toulouse-Lautrec und Henri Matisse gezeigt – ein weiterer Schwerpunkt der Scharf Collection. Heute widmet sich das Sammlerehepaar René und Christiane Scharf zeitgenössischen Positionen und setzt damit das familiäre Engagement für künstlerische Innovationen bereits in vierter Generation fort.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.
Sam Francis, Ohne Titel, 1958 – White line, 1959

Bislang war die Scharf Collection ausschließlich anonym und nur durch wenige Leihgaben öffentlich zu sehen.

„Wir freuen uns sehr, die Scharf Collection erstmals in großem Umfang zu zeigen“, so Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes. „Die gemeinsam mit der Alten Nationalgalerie in Berlin konzipierte Ausstellung, die dort ein großer Publikumserfolg war und von 170.000 Menschen besucht wurde, wird in Düsseldorf um über 60 Werke ergänzt. Darunter sind Arbeiten von Edgar Degas und Henri Matisse sowie japanische Farbholzschnitte aus dem 19. Jahrhundert. Unser herzlicher Dank gilt der Familie Scharf für ihr Vertrauen und die Bereitschaft, diesen Schritt mit uns zu gehen.”

René Scharf: „Es war uns — wie auch den Generationen vor uns – immer wichtig, die einzelnen Werke der Sammlung für Museumsausstellungen zur Verfügung zu stellen, um sie mit möglichst vielen Menschen zu teilen. Dennoch ist es für meine Frau und mich eine neue Erfahrung, nun mit der gesamten Sammlung unter unserem Namen in die Öffentlichkeit zu gehen‘, so der Sammler. „Dass die Ausstellung auch in meine Geburtsstadt Düsseldorf kommt und einige meiner persönlichen Favoriten — wie Edgar Degas’ experimentelle Monotypien – hier sogar exklusiv gezeigt werden, freut mich sehr.” Die Ausstellung versammelt Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus drei Jahrhunderten.

Auch für die Kuratorin Kathrin DuBois, Leiterin der Sammlung Malerei bis 1900 im Kunstpalast, ist es eine wunderbare Erfahrung, mit der Scharf Collection zu arbeiten: „Dass eine Privatsammlung über vier Generationen mit so großer Leidenschaft für die Kunst aufgebaut wird, ist bemerkenswert. Aus dem vielfältigen Bestand konnten wir eine Präsentation entwickeln, die sowohl hochkarätige Werke weltbekannter Künstler*innen zeigt als auch Raum für Neuentdeckungen lässt.”

Eine Kunstsammlung in vier Generationen

Die Scharf Collection geht auf einen Zweig der renommierten Berliner Sammlung Otto Gerstenbergs (1848-1935) zurück. Als Generaldirektor der Victoria-Versicherung – später ging diese in der Düsseldorfer ERGO Group auf – trug Gerstenberg maßgeblich zum nationalen und europaweiten Erfolg des Unternehmens bei. Um 1900 begann er im großen Stil Kunst zu sammeln. Zunächst galt sein Interesse der deutschen und niederländischen Grafik des 15. und 17. Jahrhunderts. Bald erweiterte er seine Sammlung mit Künstlern wie Francisco de Goya, John Constable und Gustave Courbet um europäische Malerei des 19. Jahrhunderts, bevor er sich der Kunst seiner Zeitgenossen zuwandte. Er trug hochkarätige Werke unter anderem von Edgar Degas, Claude Monet und Auguste Renoir zusammen, welche die Ausrichtung der heutigen Scharf Collection auf den französischen Impressionismus begründeten. Ein weltweit einzigartiges Highlight der Sammlung ist das nahezu vollständige grafische Werk von Henri de Toulouse-Lautrec. In ausladender Petersburger Hängung wird in der Ausstellung im Kunstpalast neben seinen berühmten Werbeplakaten des Fin de Siècle auch die Mappe Elles (1896) gezeigt, in welcher der Künstler bewusst die stillen Momente aus dem Alltag von Prostituierten darstellte.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.
Henri de Toulouse-Lautrec

Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf (1889-1961) konnte einen großen Teil der Sammlung während des Zweiten Weltkriegs retten und an die beiden Söhne Walther (1923-1996) und Dieter Scharf (1926-2001) vererben. Die heutige Scharf Collection geht auf den Familienzweig Walther Scharfs zurück, der gemeinsam mit seiner Frau Eve und ihrem Sohn René an den französischen Schwerpunkt anknüpfte und die Sammlung um Schlüsselwerke ergänzte. Dazu zählt etwa Monets Waterloo Bridge (1903), Teil einer rund vierzig Gemälde umfassenden Serie, welche die berühmte Londoner Brücke im stetig wechselnden Farb- und Lichtspiel zeigt.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.
Claude Monet, Waterloo Bridge, 1903

Hinzu kam auch Pierre Bonnards intimes Gemälde Die große Badewanne (1937/39), das dessen Ehefrau Marthe in einer Badewanne liegend zeigt. Mit dem Künstlerbuch Jazz (1947) von Matisse ist eine Ikone der Moderne vertreten, die zwanzig seiner charakteristischen Papierschnitte, darunter das oft reproduzierte Blatt Ikarus, vereint. Gleichzeitig öffnete sich die Sammlung französischen Positionen der Nachkriegszeit, etwa von Maurice Estève, Charles Lapicque und Jean Rene Bazaine.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.
Pierre Bonnard, Die große Badewanne, 1937-1939

René Scharf, der von 1984 bis 2003 zunächst für Christie’s und das Museum of Modern Art arbeitete und dann als Kunsthändler in New York tätig war, erweiterte den Kern der Sammlung um Werke der klassischen Moderne und des Abstrakten Expressionismus wie von Sam Francis. Heute richten René und seine Frau, die Rechts- und Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht Christiane Scharf, ihren Blick auch auf die zeitgenössische Kunst und führen damit die familiäre Sammlungstradition in die Gegenwart fort. Zu den neueren Erwerbungen gehören internationale Positionen wie Robert Longo und Sean Scully, aber auch Künstler*innen der aufstrebenden Berliner Kunstszene, die das Sammlerehepaar früh gemeinsam für sich entdeckte. Sie verdeutlichen die Vielfalt der zeitgenössischen Malerei im Umgang mit Farbe und Form – von Jonas Burgerts surrealer Figuration über Martin Eders provokante Pop-Ästhetik bis zu Katharina Grosses monumentalen Abstraktionen.

Katharina Grosse, o. T., 2000

Die einzige nicht aus der Sammlung der Scharfs stammende Leihgabe in der Ausstellung steuert die ERGO Group bei: ein von dem deutschen Impressionisten Max Liebermann gemaltes Porträt des Sammlers Otto Gerstenberg. „Die historische Verbindung der ERGO zu Otto Gerstenberg verleiht dieser Ausstellung für uns eine besondere Bedeutung. Umso mehr freuen wir uns, sie als Partner des Kunstpalastes zu unterstützen”, betont Markus Rieß, Vorsitzender des Vorstands der ERGO Group AG.

Max Liebermann, Bildnis Generaldirektor Otto Gerstenberg, 1919

Sammeln zwischen Tradition und Innovation

Das Interesse an den Möglichkeiten der Malerei prägt die Erwerbungen über alle vier Generationen an Sammler*innen hinweg. Welche Traditionen werden aufgegriffen? Welche neuen Wege eröffnen sich? Mit René und Christiane Scharf rückte die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Abstraktion und Gegenständlichkeit in den Fokus. Die Scharf Collection zeigt so auch, wie Künstler*innen immer wieder voneinander lernen, aufeinander Bezug nehmen und künstlerische Ideen weiterentwickeln. Einige dieser — mal lauten, mal subtilen — Bezüge sind in der Ausstellung zu entdecken: Sichtbar wird dies an der Farblithografie Bonnards Bath des amerikanischen Pop-Art Künstlers Mel Ramos von 1979, die direkt auf Pierre Bonnards post-impressionistisches Gemälde Die große Badewanne und damit auf den historischen Kern der Sammlung anspielt.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.
Mel Ramos, Bonnard’s Bath, 1979

Bereits Jean-Baptiste Camille Corots stimmungsvolle Motive, Delacroix’ Sinn für Farbe und Spannung sowie Courbets Blick auf die Wirklichkeit inspirierten viele nachfolgende Künstler*innen. Auch der US-amerikanische Maler Sam Francis fand während seines Frankreichaufenthalts in den 1950er Jahren Anregungen in den Werken von Monet und Bonnard, deren impressionistische Farb- und Bildkompositionen in den jüngeren abstrakten Arbeiten der Sammlung eine Entsprechung finden. Der chronologische Gang durch die elf Ausstellungsräume der Scharf Collection wird so zu einer Entdeckungsreise durch unterschiedliche künstlerische Ansätze — und die Idee, dass Erneuerung selten aus einem Bruch mit dem Alten entsteht, sondern darauf aufbaut.

Monet - Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. Ausstellung Kunstpalast Düsseldorf.

Die Ausstellung im Kunstpalast entstand in Kooperation mit der Alten Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin.

Weitere Informationen u. a. zum Begleitprogramm finden Sie hier: www.kunstpalast.de.

Fotogalerie zur Ausstellung