Neue Ausstellung vom 1. März bis 1. November 2026 im LWL-Museum Textilwerk in Bocholt.

Seit fast zwei Jahrhunderten steht der Name IBENA für Textilien „Made in Westfalen“. Die Ausstellung „Textile Leidernschaft. 200 Jahre IBENA“ im LWL-Museum Textilwerk in Bocholt erzählt die Geschichte eines der bedeutendsten familiengeführten Textilunternehmen der Region – und zugleich die Geschichte einer Branche im stetigen Wandel. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert die Schau mit dem Titel „Textile Leidenschaft. 200 Jahre IBENA“ ab Sonntag (1.3.) in seinem Bocholter Museum für Industriekultur. Textilien, darunter der Original-Schutzanzug des Formel-1-Fahrers Kimi Räikkönen, Werkzeuge, Fotografien und Werbematerialien aus verschiedenen Zeiten, aber auch aktuelle Interviews mit Beschäftigen bieten Einblicke in die Welt der Textilproduktion früher und heute.

„Unsere Ausstellung erzählt die Firmengeschichte von IBENA – allerdings, wie es sich für ein gutes Museum gehört, nicht als isolierte Erfolgsstory, sondern eingebettet in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen“, erklärte Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin, am Donnerstag (26.2.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Bocholt.

Foto: LWL / Philipp Harms
„Industrialisierung, Rationalisierung, Weltkriege, Strukturwandel, Globalisierung – all das hat das Unternehmen geprägt. Krisen, Brände, internationale Expansionen, die fast existenzielle Insolvenz in den 2000er-Jahren – auch diese Kapitel gehören zur Geschichte. Gleichzeitig ist die Ausstellung in unserem Museum, das ja unmittelbar neben dem Stammsitz der IBENA liegt, ein Paradebeispiel für regionale Vernetzung, nachbarschaftliche Kooperation und im besten Sinne gelebte Industriekultur.“
Hintergrund
IBENA ist ein international tätiges Textilunternehmen mit Sitz in Bocholt und Rhede, geführt in sechster Generation von der Familie Beckmann. Rund 300 Mitarbeitende produzieren jährlich aus 46 Millionen Kilometern Garn Stoffe – genug, um die Erde mehr als tausendmal zu umspannen. Bekannt ist IBENA für Heimtextilien wie Decken und Bettwäsche. Das zweite Standbein sind technische Textilien, etwa für den Einsatz bei der Feuerwehr oder in der Automobil-Industrie.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Ausgehend von handwerklicher Textilproduktion entwickelte sich das Unternehmen über Generationen zu einem modernen industriellen Betrieb. Dabei erzählt die Schau Firmengeschichte nicht isoliert, sondern bettet sie in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge ein. Rationalisierung, Strukturwandel und Globalisierung gehören ebenso dazu wie familiäre Konflikte, unternehmerische Risiken, Krisen und Neuanfänge. Historische Ereignisse wie die Industrialisierung des westlichen Münsterlands, die Zeit des Nationalsozialismus, internationale Expansionen oder der tiefgreifende Strukturwandel der Textilindustrie werden ebenso thematisiert wie aktuelle Fragen von Nachhaltigkeit, Qualität und Verantwortung.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf „Qualität“ als Markenzeichen. Kurator Martin Schmidt vom LWL-Museum: „Schon früh setzten die Firmen der Familie Beckmann auf hochwertige Materialien, sorgfältige Verarbeitung und umfassende Qualitätskontrollen, um sich auf dem Markt zu behaupten. Wir zeigen in unserer Ausstellung, wie sich textile Materialien, Produktionsweisen und Prüftechniken im Laufe von 200 Jahren verändert haben und warum handwerkliches Können auch in hochautomatisierten Prozessen weiterhin eine zentrale Rolle spielt.“




Ein weiterer Fokus der Schau gilt den technischen Textilien, die seit dem späten 19. Jahrhundert zur Spezialität der Region gehören. „IBENA entwickelte sich hier zu einem Innovationsmotor, der neue Fasern, Gewebe und Anwendungen erschloss – von Schutz- und Spezialtextilien bis hin zu maßgeschneiderten Lösungen für Industrie, Feuerwehr oder medizinische Bereiche“, erläutert Kuratorin Sophie-Maris Hoelge. Auch die Themen Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung nehmen einen breiten Raum ein. So habe IBENA früh auf Zertifizierungen, ökologische Standards und transparente Lieferketten gesetzt und Nachhaltigkeit als systematischen Prozess durch Produktentwicklung, Energieversorgung und Unternehmensführung etabliert, erklärt die Kuratorin weiter.



Nicht zuletzt rückt die Ausstellung die Menschen hinter den Textilien in den Fokus. Mitarbeitende, ihre Arbeitswelten und ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen werden ebenso sichtbar wie das bürgerschaftliche Engagement der Unternehmerfamilie in Bocholt und der Region. Historische Fotografien, persönliche Geschichten und Objekte aus dem Arbeitsalltag vermitteln, dass IBENA für viele weit mehr als ein Arbeitsplatz ist.
Weitere Informationen unter: www.textilwerk.lwl.org

