Maria Pinińska-Bereś: Under the Pink Flag.

Ausstellung vom 24. Oktober 2026 bis 14. März 2027.


Im Herbst zeigt das Kunstmuseum Bochum mit Maria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag eine große Retrospektive einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung versammelt Skulpturen, Installationen und Performances aus fünf Jahrzehnten und zeichnet eindrücklich nach, wie konsequent Maria Pinińska-Bereś (*1931 in Poznań, † 1999 Kraków) ihren eigenen, unverwechselbaren Weg zwischen Kunst und Gesellschaftskritik verfolgte.


Maria Pinińska-Bereś revolutionierte die traditionelle Bildhauerei, indem sie schwere Materialien durch weiche Stoffe, Kissen und die symbolische Farbe Rosa ersetzte. Mit ihren Arbeiten thematisierte sie auf poetische Weise Weiblichkeit, Körperlichkeit und die gesellschaftlichen Zwänge, denen Frauen im kommunistischen Polen ausgesetzt waren.

Im Zentrum ihres ebenso poetischen wie politischen Werks steht die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zwängen. Subtil, humorvoll und erotisch erzählt ihre Kunst von der Komplexität eines Lebens innerhalb eines autoritären Systems. Als gelernte Bildhauerin experimentierte Pinińska-Bereś von Beginn an mit den Konventionen ihrer Disziplin: Sie ersetzte schwere, klassische Materialien durch Pappmaché, Stoff und Watte und erweiterte die Bildhauerei um Performances und Aktionen im öffentlichen Raum.

ROSA ALS WIDERSTAND

Wiederkehrendes und prägendes Element ihres Werks ist die Farbe Rosa – oft missverstanden als naiv oder harmlos, tatsächlich aber bewusst gesetzter Gegenpol zum omnipräsenten Rot im damals kommunistischen Polen. Bei Pinińska-Bereś steht Rosa für das Weibliche, das Häusliche, den Körper – und wird zum Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung. In Werkgruppen wie den Psychomebelki (Psycho-Möbelchen) oder Installationen wie Mój uroczy pokoik (Mein hübsches kleines Zimmer, 1975) verbindet sie diese Farbsprache mit einer offenen, selbstbewussten Feier weiblicher Sexualität – und zugleich mit scharfer Kritik an einer Gesellschaft, die Frauen auf die häusliche Sphäre und die Rolle als Objekt männlichen Begehrens reduziert.

Der Ausstellungstitel Under the Pink Flag verweist auf eine Reihe von Performances, die Maria Pinińska-Bereś ab 1976 in der Natur realisierte und bei denen sie mit einer rosafarbenen Fahne auftrat – etwa in Aneksja krajobrazu (Annexion der Landschaft, 1980). Die freie Natur wurde für die Künstlerin zu einem Raum jenseits kulturpolitischer Kontrolle. Mit der rosa Fahne kämpfte sie zugleich selbstbewusst für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt und darüber hinaus – und feierte damit gleichzeitig die eigene künstlerische Rolle.

Jahrelang stand Maria Pinińska-Bereś im Schatten ihres Mannes Jerzy Bereś, eines renommierten Bildhauers und Performancekünstlers, dessen Werke auch in der Sammlung des Kunstmuseum Bochum vertreten sind. Mit dieser Retrospektive erhält sie nun die Anerkennung, die ihr lange verwehrt blieb. Begleitend ist es dem Kunstmuseum Bochum gelungen, mit dem Ankauf von Okno i demony (Fenster & Dämonen, 1996) eine bedeutende Arbeit der Künstlerin dauerhaft in die eigene Sammlung aufzunehmen.

Die Ausstellung Under the Pink Flag war in abgewandelter Form bereits im Kunstmuseum Luzern zu sehen. Für das Kunstmuseum Bochum wurde sie überarbeitet und mit Blick auf die großzügigen Räume des Museums neu konzipiert. Kuratiert wurde sie von Heike Munder und Jarosław Suchan gemeinsam mit Julia Lerch-Zajączkowska.

ÜBER DIE KÜNSTLERIN

Maria Pinińska-Bereś wurde 1931 in Poznań in Polen geboren. Nachdem ihr Vater zum Kriegsdienst eingezogen und von sowjetischen Truppen gefangen genommen worden war, floh sie mit ihrer Familie nach Kraków. 1956 absolvierte sie ihr Diplom der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste bei Xawery Dunikowski und heiratete den Künstler Jerzy Bereś. Die gemeinsame Tochter Bettina Bereś ist heute ebenfalls als Künstlerin tätig. Die Wohnung der Familie diente zugleich als Atelier und Treffpunkt für Künstler*innen und Intellektuelle.

1962 rief Pinińska-Bereś gemeinsam mit ihrem Mann die jährlich stattfindende Ausstellung Rzeźba Roku (Skulptur des Jahres) ins Leben. 1979 wurde sie in die Künstler*innenvereinigung Grupa Krakowska (Krakauer Gruppe) aufgenommen und stellte im selben Jahr bei der international bedeutenden Gruppenausstellung Feministische Kunst Internationaal in Den Haag aus. Trotz Zensur und eingeschränkter Meinungsfreiheit im kommunistischen Polen verfolgte sie konsequent ihren eigenen künstlerischen Weg. Maria Pinińska-Bereś starb 1999 in Kraków, heute gilt sie neben Natalia LL und Ewa Partum als eine der wichtigsten Vertreterinnen feministischer Kunst in Polen.


Wie ist diese Ausstellung entstanden? Wir haben vor ein paar Jahren eine große Ausstellung gemacht, wo wir das ganze Skulpturendeko hochgeholt haben. Unter anderem war dort ein Kissen zu sehen, was wir jetzt auch in der Ausstellung zeigen. […] So stellten wir uns die Frage, woher kommt das Kissen, von welcher Künstlerin, Künstler ist das? So sind wir über dieses Kisten, was unsere Neugier geweckt hat, auf Maria Pinińska-Bereś gekommen. Und genau, dieser Anlass, damals dieses Kissen gefunden zu haben, das ist jetzt auch schon vier Jahre her, führt uns heute zu dieser Ausstellung. So ist dann diese große Retrospektive entstanden, die auch dank vieler Leihgaben von verschiedenen, vor allem polnischen Institutionen hierher gekommen sind. Und es ist eben so, dass sie als Künstlerin schon auch gesammelt wurde und jetzt im polnischen Kontext vorkam, darüber hinaus aber noch nicht und das ist natürlich auch ein Anlass, diese Künstlerin bekannter zu machen. Aber auch die Themen, die da drin stecken, […] sind noch aktuell oder wirken eben aus der Geschichte nach, die man heute vielleicht auch nochmal anders erlebt, wie Polen in den 1980er Jahren.


Julia Lerch Zajączkowska, Kuratorin Kunstmuseum Bochum