Herzlich willkommen, Marie Jacquot!

Anlässlich der Pressekonferenz zur Spielzeit 2026/27 des WDR Sinfonieorchesters wurde heute, am 10. April, dessen neue Chefdirigentin Marie Jacquot offiziell im WDR Funkhaus vorgestellt. Mit der 1990 in Paris geborenen Französin ist es dem WDR gelungen, eine der gefragtesten Persönlichkeiten am Dirigentenpult für eine vorerst vierjährige Zusammenarbeit zu gewinnen.
„Gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester ist es Marie Jacquot ein wichtiges Anliegen, Menschen zusammenzubringen“, so WDR-Intendantin Katrin Vernau. „Diese Philosophie passt perfekt in die Zeit, die wir erleben. Unsere Welt dreht sich gefühlt immer schneller. Polarisierung, Konflikte und Krisen strömen von allen Seiten auf uns ein. In dieser Atmosphäre möchten wir als WDR Brücken schlagen, Zugehörigkeit und Heimatgefühl vermitteln.“

Programmatisch steht die künftige Chefdirigentin für eine große Vielseitigkeit und ein Repertoire von Joseph Haydn bis zu Auftragskompositionen. Werke von Bruckner oder Wagner finden ebenso Platz in ihren Konzertprogrammen 2026/27 wie Saint-Saëns und Poulenc, Prokofjew und Skrjabin sowie zeitgenössische Musik. Besonders wichtig ist Marie Jacquot, in ihren klug konzipierten Konzertprogrammen Bezüge zwischen einzelnen Werken und Komponisten sichtbar zu machen.
Auf ihre neue Aufgabe freut sich Marie Jacquot schon: „Das WDR Sinfonieorchester vereint Qualität und Präzision mit Leidenschaft und einer ganz besonderen Freude zum Risiko. Ich wünsche mir von Herzen, dass unsere Begeisterung für die Musik spürbar wird und sich auf das Publikum überträgt.“
Konzerte mit Marie Jacquot
Bei ihrem Antrittskonzert am 18. September 2026 in der Kölner Philharmonie wird sie neben Chopins Klavierkonzert Nr. 2 auch Augusta Holmès’ „Andromède“, Skrjabins „Le poème de l’extase“ und Wagners Lohengrin-Ouvertüre dirigieren. Mit den Solisten Iveta Apkalna und Antoine Tamestit präsentiert Marie Jacquot Camille Saint-Saëns‘ berühmte „Orgelsinfonie“ sowie das Konzert für Viola und Orchester von Thierry Escaich (16./17.10.26). Am 16. April steht Magnus Lindbergs Konzert für zwei Klaviere und Orchester auf dem Programm, ein Auftragswerk des WDR Sinfonieorchesters. Auch Anton Bruckner findet seinen Platz im Saisonprogramm. Nach der fulminanten Interpretation seiner Sinfonie Nr. 7 im vergangenen November folgt im Januar Bruckners Sinfonie Nr. 6, die mit Edward Elgars Cellokonzert e-Moll kombiniert wird (29./30.01.27).
Den Abschluss der Saison bildet ein groß besetztes Konzert mit Solisten, Chor und Orchester: Darin kombiniert Marie Jacquot Francis Poulencs „Gloria“ mit Werken von Maurice Ravel und Sergej Prokofjew (02.07.27). Und im Rahmen von „Acht Brücken. Musik in Köln.“ dirigiert Marie Jacquot unter anderem ein neues Werk für Vokalensemble und Orchester von Johannes Maria Staud (08.05.27)

Bei insgesamt 20 Konzerten wird sie in ihrer ersten Spielzeit als Chefdirigentin am Pult des WDR Sinfonieorchesters stehen – neben Konzerten in Köln, Bonn, Essen und Dortmund auch bei Gastspielen beispielsweise in Salzburg, Innsbruck, Hamburg, München, Antwerpen und Amsterdam. „Marie Jacquot wird dem WDR Sinfonieorchester neue Impulse geben und das Publikum in seinen Bann ziehen“, so Orchestermanager Sebastian König. „Nicht nur in Köln und Nordrhein-Westfalen, sondern auch deutschlandweit und international ist das Interesse bereits groß.“
Bekannte Gäste und Debütanten
Neben den Konzerten mit Marie Jacquot sind zwei ehemalige Chefdirigenten (Cristian Măcelaru, 11.12.26 und Jukka Pekka Saraste, 14.05.27) in der neuen Saison ebenso zu Gast wie der scheidende Maestro Marek Janowski (27./28.11.26), der Ende 2026 seinen Bühnenabschied feiern wird. Daneben stehen u.a. Jonathan Cohen (05.12.26) und Robin Ticciati (26.02.27) als Debütanten beim WDR Sinfonieorchester am Pult. Große Solistinnen und Solisten wie Iveta Apkalna, Yulianna Avdeeva, Gautier Capuçon, James Ehnes und Augustin Hadelich bereichern die Saison durch breites Repertoire und mit persönlichen musikalischen Vorlieben.

Außer der Reihe
Aus der Reihe tanzt das WDR Sinfonieorchester in der kommenden Saison mit zwei außergewöhnlichen Projekten. Zum 25-jährigen Filmjubiläum von Peter Jacksons »Der Herr der Ringe« gestaltet das Orchester ein besonderes Live-Erlebnis: In der Kölner Lanxess Arena (19.12.26) und in der Arena Oberhausen (20.12.26) wird die Original-Filmmusik von Howard Shore gespielt, während auf einer gigantischen Leinwand der Film gezeigt wird.
Zum ersten Mal wird das Orchester das »Classical Pride« (26.06.27) präsentieren, bei dem Jean-Yves Thibaudet (Klavier), Mayaan Licht (Sopran), Eleanor Lyons (Sopran) und Sasha Velour (Dragqueen) zu erleben sind. Es erklingen Werke u.a. von Leonard Bernstein, Caroline Shaw, Richard Strauss und Peter Tschaikowsky. Die musikalische Leitung hat Oliver Zeffman.
Jubiläum
Die WDR Chamber Players, die u.a. durch zahlreiche Aufnahmen entdeckenswerter Kammermusik einen hervorragenden Ruf genießen, feiern ihr zehnjähriges Bestehen. Als „unwiderstehlich“, „technisch ausgefeilt“, „klanglich-musikalisch herausragend“ und „voll pionierhafter Hingabe“ beschreibt die internationale Fachpresse die Interpretationen des Ensembles. Am 5. März 2027 werden die WDR Chamber Players in der Kölner Philharmonie Bela Bartóks Divertimento für Streichorchester und Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 2 in einer Fassung für Kammerorchester darbieten und mit diesem Programm auch im Parktheater Iserlohn (06.03.27) gastieren.
Ausgrabung / Yvonne Loriod / Kent Nagano
Vor der offiziellen Saisoneröffnung in Köln ist das WDR Sinfonieorchester am 5. September 2026 beim „Musikfest Berlin“ zu Gast. Ein besonderes Gastspiel, denn auf dem Programm steht die Uraufführung von „La Sainte Face – Das heilige Antlitz“ für Sopran und Orchester von Yvonne Loriod. 1924 geboren, war die Französin vor allem als Ehefrau Olivier Messiaens bekannt. 80 Jahre nach Entstehung erweckt das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Kent Nagano das expressive und ungewöhnlich besetzte Werk „La Sainte Face“ zum Leben. Nagano selbst war Schüler bei Loriod und hat in den letzten Jahren eine Reihe ihrer Werke in der Pariser Nationalbibliothek ausfindig gemacht und uraufgeführt.
Musikvermittlung
Nicht nur die bekannte „Dackl-Tournee“, im Rahmen derer das WDR Sinfonieorchester innerhalb einer Woche über 16.000 Grundschülerinnen und Grundschüler in ganz Nordrhein-Westfalen erreicht, sondern vor allem auch das Markenzeichen Maus erfreut sich höchster Beliebtheit. Erstmals gastiert das erfolgreiche „Konzert mit der Maus“ jetzt auch außerhalb von Nordrhein-Westfalen mit Gastspielen in Berlin und bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Musikvermittlung gehört zur DNA des Orchesters und ist den Musikerinnen und Musikern ein echtes Herzensanliegen.
Digitales
Eine Vielzahl der Konzerte ist digital über Livestreams und on demand in der ARD Mediathek und auf dem gemeinsamen YouTube-Channel „ARD Klassik“ verfügbar. Ergänzt durch weitere Online-Formate erreicht das Orchester jährlich über 30 Millionen Abrufe. Auch in klassischen Medien wie Radio und Fernsehen ist das Orchester regelmäßig präsent.
Fazit
Mit insgesamt 75 Konzerten, davon sechs Kammer- und neun Happy Hour-Konzerte in Köln, Dortmund und Essen sowie sieben Aufführungen im Rahmen von „Musik der Zeit“, bietet das WDR Sinfonieorchester in der Saison 2026/27 höchste musikalische Vielfalt. Zahlreiche Gastspiele, viele davon unter Leitung von Marie Jacquot, führen das Spitzenensemble auch nach Berlin, Hamburg, zu den Ludwigsburger Festspielen, dem Kissinger Sommer, nach Österreich, Belgien und in die Niederlande und zeigen schon jetzt das große internationale Interesse an der künstlerischen Partnerschaft zwischen dem Orchester und seiner neuen Chefdirigentin.

Abos und Karten
Einzelkarten für die Konzerte sind ab 29. April 2026 (12:00 Uhr) erhältlich, Abonnements ab sofort.
Biografie Marie Jacquot
Mit Beginn der Spielzeit 2026/27 tritt Marie Jacquot als Chefdirigentin des WDR Sinfonieorchesters an. Gleichermaßen auf der Konzert- wie der Opernbühne zu Hause, hat sich die gebürtige Pariserin innerhalb weniger Jahre international einen Namen gemacht. Seit 2024/25 ist sie Chefdirigentin des Royal Danish Theatre Copenhagen. Im Jahr zuvor wurde sie zur Ersten Gastdirigentin der Wiener Symphoniker ernannt, mit denen sie seitdem in Konzerten im Wiener Konzerthaus, im Musikverein Wien, bei den Bregenzer Festspielen und auf Tournee zu erleben war.

Dank ihrer Entdeckungsfreude und Offenheit verfügt sie über ein breites Repertoire von Purcell bis zu zeitgenössischer Musik. Musikalische Tiefe, konsequente Arbeit und packende Gestaltung zeichnen dabei Marie Jacquot als Dirigentin aus. Zu ihren herausragenden Erfolgen in letzter Zeit zählen die enge Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Dresden sowie die vielbeachtete Neuproduktion von Albéric Magnards „Guercœur“ an der Oper Frankfurt. Bei den BBC Proms 2025 gab sie ihr Debüt beim BBC Symphony Orchestra. Regelmäßig dirigiert Marie Jacquot Spitzenorchester in Europa, den USA und Asien, etwa das Cleveland Orchestra, das Orchestre National de France, das Oslo Philharmonic, das Swedish Radio Symphony Orchestra, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Orchestre Symphonique de Montreal und das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra. In der Saison 2025/26 debütierte sie am Royal Opera House in London mit Mozarts „Zauberflöte“ und leitete an der Semperoper in Dresden Poulencs „Dialogues des Carmélites“ sowie in Kopenhagen die Neuproduktion von Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“.
Im sinfonischen Repertoire hegt sie eine besondere Leidenschaft für Anton Bruckner und Richard Strauss. Gleichermaßen finden sich Werke von Mozart, Beethoven und Mendelssohn Bartholdy, Poulenc und Strawinsky, Saint-Saëns und Ravel in ihren Konzertprogrammen, ebenso Entdeckungen von Augusta Holmès, Marc-André Dalbavie oder Kristine Tjøgersen. Kommende Debüts führen sie zum Tonhalle-Orchester Zürich, zur Filarmonica della Scala nach Mailand, zum Orchestre de Paris und zur San Francisco Symphony.
Nach einem Posaunenstudium in Paris studierte Marie Jacquot Dirigieren in Wien und Weimar und war Stipendiatin des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats. Die Bayerische Staatsoper engagierte sie 2016 als Assistentin von Kirill Petrenko. Anschließend dirigierte sie zwei eigene Produktionen bei den Münchner Opernfestspielen. Ihre erste feste Stelle führte Marie Jacquot von 2016 bis 2019 nach Würzburg als Erste Kapellmeisterin und Stellvertretende Generalmusikdirektorin. Anschließend war sie drei Jahre lang Kapellmeisterin an der Deutschen Oper am Rhein. 2024 wurde sie als „Revelation“ in der Kategorie „Chef d’orchestre“ bei den 31. „Victoires de la Musique Classique“ ausgezeichnet.
Stand: April 2026

