Rekonstruktion von Beethovens letztem Flügel
Der Original-Flügel aus der Werkstatt Conrad Graf im Beethoven-Haus Bonn.

Es entsteht derzeit in Belgien in der Klavierbau-Werkstatt Chris Maene in Zusammenarbeit mit dem Beethoven-Haus ein Nachbau von Beethovens letztem Flügel. Das Originalinstrument, das im Museum zu sehen ist, ist nicht mehr spielbar. Die Rekonstruktion des Hammerflügels von 1826 aus der Werkstatt Conrad Graf soll dazu beitragen, die Klangwelt der Beethoven-Zeit erfahrbar zu machen und besser zu verstehen.

Zur Vorbereitung des Nachbaus sind immer wieder wissenschaftlich begleitete Untersuchungen am Graf-Flügel im Beethoven-Haus erforderlich. Bei einem Pressetermin am 5. Mai 2026 wurde gezeigt, wie der aktuelle Stand ist und weitere Details mitgeteilt.

Rekonstruktion von Beethovens letztem Flügel
Chris Maene vor dem Original Hammerflügel im Beethoven-Haus Bonn

Die Wissenschaftlerin Dr. Katharina Preller von der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität) München erklärte, dass dieser Flügel von Conrad Graf mit vier Saiten ausgestattet wurde. Ein modernes Klavier heute hat drei Saiten.

„Man hat dieses laute Konzertinstrument, auch dafür gerühmt, dass es die Stimmung hält, auch beim stärksten Anschlag. Denn Beethoven war ja dafür bekannt, dass er nicht der Zarteste war.“

Beethoven besaß einen Broadway-Flügel, der aber eine Reparatur benötigte. Conrad Graf sah es als Chance, Beethoven als Ersatz einen vierchörigen Hammerflügel Beethoven zur Verfügung zu stellen. „Wir wissen nicht, ob es explizit eine Leihgabe oder ein Geschenk war“, so Preller. Es gibt zu diesem Flügel auch ein Zertifikat, das Graf für den späteren Besitzer geschrieben hat, wo er ausdrücklich sagt, das ist der Flügel, den ich Beethoven eigens gefertigt und zur Verfügung gestellt habe (das Zertifikat ist zu sehen im Beethoven-Haus).

Ein paar Details zum Graf-Flügel:

  • 6,5 Oktaven Umfang
  • Vierchörige Bespannung ab dem Ton D (extrem hoher Saitenzug von ca. 7600 kg)
  • Ursprünglich wohl mit Janitscharenzug (Trommel-/Becken-Effekte), später entfernt
  • Im 19. Jahrhundert wurden Beine und Lyra ersetzt, in den 1960ern eine problematische Überholung vorgenommen Da das Instrument heute nicht mehr spielbar ist und Fachleute von weiterer Restaurierung abraten, wird ein authentischer Nachbau im Zustand von 1826 angefertigt.

Quelle: museen.de

Rekonstruktion von Beethovens letztem Flügel
Vierchörige Bespannung

Christ Maene: „Bei unserem ersten Besuch hier haben wir viele Messungen durchgeführt und sind Schritt für Schritt vorgegangen. Dies ist nun der dritte von vier Terminen, die wir hier vor Ort haben. Jedes Mal überprüfen wir spezielle Teile. […] Es sind zurzeit 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Rekonstruktion des Flügels beschäftigt.“

Foto vom Bau des Flügels in der Werkstatt in Belgien

Zum Vermessen des Flügels kamen 3D-Scans und Röntgenbilder zum Einsatz. Aber auch ein einfaches Lineal war ein wichtiges Hilfsmittel.

Rekonstruktion von Beethovens letztem Flügel
Röntgenbilder des Flügels

Malte Boecker (Direktor Beethoven-Haus) freut sich, mit diesem herausragendem Projekt zum 200. Todestag im Jahr 2027 von Ludwig van Beethoven ausgerechnet diesen letzten Flügel in einem spielbaren Zustand präsentieren zu können (Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant). Sein Dank geht an Tom Beghin vom Orpheus Institut in Leuven, der die Initiative übernommen hat, ein Forschungsteam zu bilden. Dank auch an Chris Maene, dass er dieses Projekt übernommen hat. Ziel ist es, zu forschen, welchen Einfluss die Bauweise des Flügels auf Beethovens Spätwerk hatte. Außerdem ist eine Nutzung des rekonstruierten Flügels für Konzerte vorgesehen.

So klingt das Original 2026: