Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste.
Museum Folkwang beleuchtet die Verflechtungen islamischer Künste und europäischer Moderne.
Mit der Ausstellung Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste (vom 6. November 2026 bis 21. Februar 2027) widmet sich das Museum Folkwang erstmals umfassend der ehemaligen „Islamischen Abteilung“ und ihrem Widerhall im modernen Folkwang-Kosmos. Rund 340 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten – geben Einblick in die Sammlungspolitik des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus (1874–1921) und zeigen seine Perspektive auf die Kunst der islamisch geprägten Welt.

Seit 1898, noch bevor Gemälde von Auguste Renoir oder Vincent van Gogh Eingang in die Sammlung des Museum Folkwang fanden, trug Osthaus auf Reisen durch Nordafrika und Westasien Kunstgewerbe aus dem 4. bis 19. Jahrhundert zusammen und legte damit den Grundstein für die „Islamische Abteilung“ des frühen Folkwang. Seine Reisen führten ihn unter anderem nach Syrien und prägten wesentlich sein Selbstverständnis als Kunstsammler und die Entwicklung des Folkwang-Gedankens. In Folge erwuchs in Hagen bis etwa 1919 eine „Islamische Abteilung“, die zu den ersten musealen Sammlungen islamischer Kunst im deutschsprachigen Raum zählt.

Nach Damaskus… verbindet historische Objekte mit neuen Perspektiven und macht die vielfältigen Verflechtungen zwischen islamischen Künsten, europäischer Moderne und zeitgenössischer Kunst sichtbar.



Die Ausstellung folgt Osthaus’ Reisen um 1900 und zeichnet die Entwicklung der Sammlung anhand zentraler Stationen und wichtiger Ereignisse nach. Wichtige Meilensteine sind hierbei frühe Ankäufe im Maghreb und Osmanischen Reich sowie die Beteiligung des Folkwang an der wegweisenden Münchner Ausstellung Meisterwerke muhammadanischer Kunst im Jahr 1910.

Ausgewählte Dokumente geben zudem Einblick in die Veränderungen der Sammlungspräsentation während des Ersten Weltkriegs und in die weitere Entwicklung des Sammlungsbereichs in Essen nach Osthaus’ Tod.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben ehemaliger Werke aus dem Museum Folkwang. Dazu zählt unter anderem die kostbare Abschrift eines persischen Shāhnāma („Königsbuch“) aus dem 17. Jahrhundert, die heute in Berlin verwahrt wird und nur selten öffentlich präsentiert werden kann.

Auch ein Gebälkstück des sogenannten Damaskuszimmer, das sich heute in Dresden befindet, kommt nach Essen und wird als zentrales Zeugnis der Sammlungsgeschichte präsentiert.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, wie die islamische Kunst im frühen Folkwang-Kontext wahrgenommen, inszeniert und mit europäischer Kunst und Gestaltung in Beziehung gesetzt wurde. Die historischen Objekte treten dabei in einen gattungsübergreifenden Dialog mit Werken europäischer Künstler:innen und Gestalter:innen: darunter ein Gemälde von Henri Matisse, ein Stoff von Peter Behrens, Mosaikentwürfe von Johan Thorn Prikker und ein Bauvorhaben von Bruno Taut.


Fotografien aus dem Umfeld des Folkwang-Verlages zeigen, wie vielfältig die Sammlung, die Interessen und die Netzwerke des Museum Folkwang von Beginn an waren. Ein Fokus liegt auf den Beziehungen zwischen der Ornamentik islamischer Textilien und Architekturkeramik und moderner Gestaltung.


Ergänzt ist die historische Perspektive durch eine zeitgenössische Arbeit der palästinensisch-saudischen Künstlerin Dana Awartani. Ihre Position eröffnet einen aktuellen Blick auf die historischen Sammlungs- und Ausstellungskonzepte und macht zugleich deren eurozentrische Perspektiven sichtbar.


Gefördert durch die Art Mentor Foundation Lucerne, die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kunststiftung NRW.
Forschung und Restaurierung
Die Ausstellung ist das Ergebnis umfangreicher Forschung, mit der das Museum Folkwang seit 2019 den Bestand seiner ehemaligen „Islamischen Abteilung“ erschließt. Dank großzügiger Förderungen des Landes Nordrhein-Westfalen konnten die Objekte bis 2026 restauriert und konserviert werden.

Publikation
Die Ausstellung wird von einer umfangreichen Publikation begleitet. Rund 30 Beiträge vertiefen den Ausstellungskontext, und ordnen die Sammlung des Museum Folkwang in die nationale und internationale Museumspraxis ein. Die Publikation erscheint voraussichtlich im Februar 2027.




Daten und Fakten
Konzeption: Dr. Nadine Engel, Museum Folkwang, Essen
Kuratorinnen: Dr. Nadine Engel, Museum Folkwang, Essen und Dorina Michaelis, Berlin
Kuratorische Assistenz: Anna Grosche, Museum Folkwang, Essen

Weitere Informationen u. a. zum Begleitprogramm hier: www.museum-folkwang.de


Mit „Nach Damaskus …“ erschließen wir ein bedeutendes Kapitel der Geschichte des Museum Folkwang. Die Ausstellung ist das Ergebnis langjähriger Forschungsarbeiten, die die prägende Bedeutung der islamischen Künste für Karl Ernst Osthaus und die Entstehung seiner Sammlung sichtbar macht. Die Reisen nach Nordafrika und Westasien inspirierten ihn zu einer visionären Folkwang-Idee: einem Dialog der Künste und Kulturen. Dieser Gedanke ist für uns bis heute wegweisend: Er prägt unser Verständnis von Kunst und Museum und unseren Anspruch, unterschiedliche kulturelle Perspektiven miteinander in Beziehung zu setzen.
Peter Gorschlüter, Direktor Museum Folkwang


