Kate Newby entwickelt Installation für das Museum Folkwang.
Neue Arbeit aus Glas und Beton verbindet Alt- und Neubau des Museums. Zu sehen vom 12. Juni 2026 bis 18. April 2027.
Das Museum Folkwang präsentiert ab dem 12. Juni 2026 eine neue ortsspezifische Installation der international renommierten Künstlerin Kate Newby (*1979). Die von der neuseeländischen Künstlerin eigens für das Museum entwickelten Arbeiten Good Sound und I’m asking verbinden Glas und Beton zu einer künstlerischen Intervention.

Für ihre Installation wählte Newby den Übergang zwischen dem 1960 eröffneten Museumsbau und dem Erweiterungsbau von 2010. Beide Gebäudeteile sind durch die Formensprache modernistischer Architektur geprägt und zeichnen sich durch klare Linien, rechteckige Innenhöfe und weitläufige Glasfronten aus.

Glas und Beton, die Baustoffe der Moderne, bilden den Ausgangspunkt von Newbys Arbeit. In ihren Händen werden sie zu fragilen, formbaren Materialien, in denen sie buchstäblich ihre Spuren hinterlässt. Auf zwei Glasscheiben zum Innenhof hat sie vertikale, handgezogene Linien und zahlreiche Fingerabdrücke in das Glas eingeschmolzen. Die dreidimensionalen Strukturen der Glasarbeit Good Sound reagieren auf Licht und Bewegung und verändern im Tagesverlauf ihr Erscheinungsbild je nach Lichteinfall und Blickwinkel. Besucher:innen sind eingeladen, die Oberflächen zu berühren – sie können so die im Material sichtbaren Spuren des Entstehungsprozesses unmittelbar nachvollziehen.

Kate Newby
Wenn ich dieses Glas forme, ist das für mich so erstaunlich, weil ich wirklich nichts spüre. Und beim Formen benutze ich nur meinen Körper. Also meine Hände, und man kann es hier sehen, … Teile, die ich benutzt habe, wie meine Unterarme, aber … Hier ist meine Handfläche. Es ist ein wirklich interessanter Prozess, denn ohne diese Technik kann man seine Fingerabdrücke nicht in Glas hinterlassen. […] Und der Grund, warum ich diese Türen mit dieser Technik gestalten wollte, ist, dass ich ein Werk schaffen wollte, das man wirklich berühren und fühlen kann. Denn wenn ich Kunstwerke sehe, möchte ich sie berühren und fühlen, um sie zu verstehen. Deshalb wende ich das gleiche Verfahren auf dem Beton draußen an. Es sind viele Fingerabdrücke, viele Spuren, die ich mit meinen Händen – auf eine sehr unmittelbare Weise – hinterlasse.



Die Linien der Glasarbeit setzen sich in der Betonarbeit I’m asking auf dem Rasen des Außenraums fort. Als helle, strukturierte Betonlinien ziehen sie sich durch den Innenhof und verschwinden hinter zwei kleinen Hügeln. Sichtbare Spuren der Bearbeitung verweisen auch hier auf den Herstellungsprozess. Ergänzt werden die beiden Arbeiten durch Glasfragmente aus der Umgebung des Museums, die Newby in den Beton integriert hat. Sie stellen eine weitere Verbindung zwischen Innen- und Außenraum des Museums her.



Newbys Werke unterlaufen die klare Ästhetik des Gebäudes. Sie wirken roh, beiläufig und unscheinbar und fügen sich so selbstverständlich in ihre Umgebung ein, dass sie nicht unmittelbar als Kunstwerke erkennbar sind. Gerade dadurch schärfen sie den Blick für das Übersehene und eröffnen poetische Reflexionen über Orte, Materialien und alltägliche Wahrnehmung. Die sichtbaren Bearbeitungsspuren verweisen auf die körperliche Präsenz der Künstlerin, genauer öffnen sie den Raum zwischen Präsenz und Absenz.

Die Installation im Museum Folkwang knüpft an eine internationale Werkserie an, in der Kate Newby Linien als räumliche Markierungen und Spuren im öffentlichen Raum einsetzt. Vergleichbare Arbeiten entstanden unter anderem in Wellington, München, Paris, Wien und Berlin. Ein begleitender Postkarten-Leporello bringt diese Projekte zusammen und zeichnet die Verbindungen zwischen den verschiedenen Orten nach.

Kate Newby (*1979, Auckland, Aotearoa Neuseeland) lebt und arbeitet in Texas, USA. Sie zählt zu den international renommierten Künstler:innen ihrer Generation und ist für ihre ortsspezifischen Arbeiten bekannt, die Architektur, Materialität und subtile Wahrnehmungsdynamiken miteinander verbinden. Ihre Werke wurden weltweit in bedeutenden Museen und Ausstellungshäusern gezeigt, darunter das Palais de Tokyo in Paris, das Mori Art Museum in Tokio, die Kunsthalle Wien und das Museum of Contemporary Art Australia in Sydney. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen Hours in wind (2025), anything, anything (2025) und She’s talking to the wall (2025). Zu ihren wichtigsten Auszeichnungen gehören der Walters Prize (2012), der Joan Mitchell Foundation Painters & Sculptors Grant (2019) sowie der Ettore e Ines Fico Prize (2022).

