Nina Beier, David Hammons, Zoe Leonard.
Ausstellung vom 17. April bis 27. September 2026 im Museum für Gegenwartskunst Siegen.

Die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst Siegen stellt die Werke von Nina Beier (* 1975, lebt in Kopenhagen), David Hammons (* 1943, lebt in New York) und Zoe Leonard (* 1961, lebt in New York) in einen überraschenden, generationsübergreifenden Dialog. In ihren Installationen, Skulpturen, Fotografien und Videos nehmen die drei Künstler*innen Gegenstände des Alltags, wie Matratzen, Waschbecken, Kaffeebecher oder Wächterlöwen zum Ausgangspunkt ihrer Arbeiten. Trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und künstlerischen Ansätze teilen sie das gemeinsame Interesse, durch die Gegenüberstellung ausgewählter Objekte soziale Erfahrungen und kulturelle Deutungsmuster sichtbar zu machen.
Künstlerinnengespräch
Am Samstag, 18. April 2026 um 11 Uhr findet das Künstlerinnengespräch mit Nina Beier im MGK Siegen statt.

Chasing the Blue Train gilt als einer der Meisterwerke von David Hammons. Die Installation besteht aus imposanten Flügeln, einem Kohleberg und einem blauen Miniaturzug. Dieser schlängelt sich zu den Klängen des afroamerikanischen Jazz von John Coltrane und Thelonious Monk durch die künstliche Landschaft. Die Installation regt dazu an, sich selbst zu bewegen und dem Zug zu folgen. Der Titel ist eine Zusammenziehung zweier Titel von Coltrane: „Chasin‘ the Train und das 1957er-Album „Blue Train“. Die Bahnschienen und die Kohle erinnern an die berüchtigte U-Bahn-Linie A, die Brooklyn mit dem New Yorker Stadtteil Harlem verband, der damals überwiegend von Schwarzen bewohnt war.
Die Ausstellung „Das soziale Leben der Dinge“ zeigt in zehn Räumen zahlreiche Schlüsselwerke von den 1990er Jahren bis heute. Nina Beier arbeitet meist mit gesammelten Objekten und setzt sich mit Fragen von Wert, Herkunft, Reproduktion und Bedeutungsverschiebung auseinander. Ihre Skulpturen und Installationen thematisieren globale Produktions- und Zirkulationsprozesse durch unerwartete Kombinationen. David Hammons zählt zu den einflussreichsten Künstlern unserer Zeit. Mit scheinbar belanglosen Materialien und urbanen Fundstücken schafft er poetische und subversive Objekte, die sich mit afroamerikanischer Identität, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und dem Kunstsystem auseinandersetzen. Zoe Leonards Werk reicht von der Erkundung natürlicher Landschaften und des urbanen Raums bis hin zu Fragen von Geschlecht, Migration und globalem Warenaustausch. Durch Wiederholungen und subtile Perspektivwechsel macht die Künstlerin auf die besonderen Eigenschaften offensichtlich vertrauter Bilder oder Objekte aufmerksam.

Pastellfrabene Waschbecken im Stil der 1950er Jahre bilden die Basis der Installation Plugs. Auf dem Boden ohne Stützen angeordnet und über die Wände verteilt, sind ihre Abflusslöcher suggestiv mit Stopfen aus dicken Zigarren abgedichtet. Beide sind vertraute Gegenstände. Die Waschbecken werden zu Symbolen menschlicher Reinigungsrituale und häuslicher Pflichten, historische Zeugen einer wachsenden Mittelschicht, die plötzlich die Möglichkeiten hatte, auf eine individuelle Inneneinrichtung wertzulegen. Die zarten Farbtöne sind jeweils nach weit entfernten Urlaubszielen benannt. Sie deuten auf den wohlhabenden westlichen Kulturen innewohnenden Konsum und der Romantisierung des „Exotischen“ hin: Bahama Beige, Bali Braun, Indisches Elfenbein oder Champagner. Auch das Material selbst hat eine besondere Geschichte. Das Wort „Porzellan“ geht auf die Kaurimuschel zurück, die früher als Zahlungsmittel diente und deshalb in chinesischen Schriftzeichen immer noch eine Rolle spielt.
Alle drei Künstler*innen setzen sich direkt mit den materiellen, visuellen und sozialen Wirklichkeiten der Welt auseinander. Sie interessieren sich für Objekte, die bereits mit Beziehungen, Hierarchien und Widersprüchen aufgeladen sind. Ihre Werke verkörpern diese auf eine Weise, die den Gegenstand selbst zu einem Ort der Spannung zwischen symbolischer Bedeutung, Material und Raum macht. Ausgehend von Dingen des menschlichen Lebens schaffen Beier, Hammons und Leonard einen Moment der Wiedererkennung und erzeugen zugleich produktive Verunsicherung, die scheinbar Bekanntes neu sehen lässt.

Als fotografisches Motiv könnte eine Toilette in einem makellosen öffentlichen WC kaum alltäglicher sein. Doch besonders ist, dass in Two Toilets von Zoe Leonard gleich zwei Toiletten ohne räumliche Trennung zu sehen sind, die eine hat einen schwarzen Sitz, die andere eine Weißen. Ein Spiegel an der Wand gibt lediglich einen Teil dessen wieder, was wir sehen. Mehr noch als genderneutral ausgewiesene WCs bricht diese mit den kulturellen Konventionen von öffentlichen Toiletten. Leonard nutzt die Leere, um unsere Vorstellung nach dem möglichen Ort und der Nutzbarkeit dieses Raums anzuregen.
Kurator: Thomas Thiel
Assistenzkuratorin: Jessica Schiefer









Weitere Informationen unter: www.mgksiegen.de

