Neue Sonderausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz zeigt Leben im Marschlager.
„Von Co-Living bis Glamping. Römer an Pader und Lippe“.

Die Entdeckung eines römischen Marschlagers in Paderborn durch Archäolog:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 2022 warf ein neues Licht auf die Präsenz der Römer in Westfalen-Lippe. Ab Samstag (19. Juni 2026 bis zum 1. November 2026) zeigt die Ausstellung „Von Co-Living bis Glamping. Römer an Pader und Lippe“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz exklusiv Funde aus der Zeit des ersten römischen Kaisers Augustus. Mitmachstationen, Dioramen und Illustrationen des britischen Zeichners Graham Sumner machen das Leben im Lager lebendig. Begleitet wird die Sonderausstellung bis zum 1. November von einem umfangreichen Programm für die ganze Familie.

Vor über 2.000 Jahren marschierten die Römer vom Rhein entlang der Lippe nach Osten. Museumsleiter Dr. Martin Kroker: „Bis zu drei Legionen – wie unter Varus im Jahr 9 n. Chr. – das sind rund 15.000 Soldaten – bewegten sich gemeinsam mit Hilfstruppen, der sogenannten Reiterei, und einem umfangreichen Versorgungstross. Jeder Legionär trug zwischen zwanzig und dreißig Kilogramm Ausrüstung, Proviant und persönliche Gegenstände – weshalb die Soldaten in ihrer Zeit als „Maultiere des Marius“ bekannt waren.“
Ein Schwerpunkt der Ausstellung „Von Co-Living bis Glamping“ liegt daher auf der Organisation der römischen Armee. Kroker: „Von der Vermessung des Lagerplatzes bis zum Bau von Spitzgraben, Wall, Brunnen und Feldbackofen folgte alles einem präzisen Schema.“ Selbst Zeltgemeinschaften („Contubernia“) wurden standardisiert – während Kommandeure luxuriösere Unterkünfte erhielten.

Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai: „Funde wie Scherben von Weinamphoren und Reste von Feldbacköfen und Brunnen aus Paderborn belegen nicht nur die strategische Nutzung der Lager, sondern auch den weitreichenden Nachschub aus dem Mittelmeerraum.“




Neben militärischer Präzision zeigt die Ausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz auch das Alltagsleben der Legionäre. Kuratorin Johanna Hersh erklärt: „Die Römer mahlten ihr Getreide, backten Brot, kochten „puls“ – einen Brei aus Weizen, Fleisch und Kräutern – und genossen importierte Spezialitäten wie Olivenöl, Wein oder Austern. In ihrer Freizeit spielten sie Würfel- und Brettspiele oder reparierten ihre Ausrüstung.“
Dazu finden die Besuchenden in der Ausstellung Vergleichsfunde aus Römerlagern in Haltern und Anreppen, ergänzt durch Modelle, Miniaturszenen, zahlreiche Repliken und Mitmachstationen des Ausstellungsprojekts „Mules of Marius“ (Maultiere des Marius, benannt nach dem bekannten römischen Feldherrn).

Kroker: „Zu den besonderen Funden dieser Ausstellung gehört das ‚Balsamarium‘ aus dem Standlager Anreppen. Die Fläschchen demonstrieren quasi die ‚Skincare‘ der römischen Armee. Sie wurden extra in Oberitalien gefertigt und enthielten Öle zur Körperpflege.“ Darüber hinaus seien die Pionieräxte aus Haltern und Anreppen sehenswert: Ein Universalgerät, welches in einem Schaft Axt und Hacke kombiniert.
Gai: „Wir zeigen in unserer Ausstellung, dass die Römer nicht nur in den großen Lagern an Rhein und Lippe waren, sondern entlang der Lippe auch bis an die Pader gezogen sind. In Westfalen gibt es mehrere Orte, in denen mittlerweile Stand- und Marschlager bekannt und mit tollen Funden belegt sind.“

Neben den Funden sorgen die lebensgroßen Illustrationen des britischen Zeichners und Historikers Graham Sumner sowie zahlreiche Mitmachstationen für einen abwechslungsreichen Museumsbesuch. Hersh: „In den detailverliebten Dioramen gibt es für unsere Besuchenden immer wieder lustige Szenen aus dem Alltag der Legionäre zu entdecken. An Mitmachstationen können sie die Marschrüstung eines Legionärs tragen, sich in eine Toga oder eine farbenfrohe Stola gewanden.“

An anderer Stelle besteht die Möglichkeit, mit einer Handmühle Getreide zu mahlen. Hersh: „Nach getaner Arbeit darf natürlich auch das gemeinsame römische Spiel nicht fehlen.“

Die Ausstellung „Von Co-Living bis Glamping“ endet nach Exponaten und Mitmachstationen zum Aufbau und Alltagsleben mit dem Aufbruch der Legionäre aus dem Lager. Nach einem festgelegten Ritual hätten die Römer sämtliches Material verstaut oder sogar verbrannt, so Kroker. Brunnen seien unbrauchbar gemacht worden, und die Legionen setzten ihren Marsch fort. Gai: „Die Funde der LWL-Archäologie zeigen eindrücklich, wie nahe Paderborn einst am Puls einer Weltmacht lag – zwischen Organisation, Alltag und militärischer Strategie der Römer.“

Die Ausstellung „Von Co-Living bis Glamping“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz bietet bis zum 1. November einen einzigartigen Einblick in die Römerzeit Westfalen-Lippes und macht Geschichte für Jung und Alt auch durch ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen und Kreativ-Workshops erfahrbar.
Gleichzeitig zur Sonderausstellung wird die Dauerausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz wiedereröffnet. Karl der Große und die Höhepunkte aus 35 Jahren Stadtarchäologie warten nach der Schließung für die große Westfalen-Ausstellung erneut auf die Besuchenden. Kroker: „Die sukzessive Instandsetzung und Einarbeitung neuester Forschung ist für die nächsten Jahre geplant.“ Der Quellkeller als besonderer Ort des kürzlich verliehenen europäischen Kulturerbe-Siegels ist ab Samstag (20.6.) ebenfalls wieder zugänglich.
Veranstaltungshöhepunkte im Begleitprogramm
Das Begleitprogramm zur Ausstellung lässt die Besuchenden tief eintauchen in die Welt der Römer: Für Erwachsene und Jugendliche bietet das LWL-Museum in der Kaiserpfalz verschiedene Workshops an, bei denen römische Bundschuhe aus Leder (8.8., 15 bis 17 Uhr, für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren) oder auch Wachstafeln (26.9., 15 bis 17 Uhr, für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren) gefertigt werden können sowie nach antikem Rezept Tinte angemischt und das Schreiben mit Rohrfeder und Papyrus (19.7., 11 bis 13 Uhr, für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren) ausprobiert werden kann.


In der Libori-Woche (Samstag, 25.7. bis Sonntag, 2.8.) finden täglich um 11 und 15 Uhr wechselnde Führungen durch die Sonder- und Dauerausstellung statt.
Am Samstag des letzten Sommerferienwochenendes (29.8.) findet von 18 bis 23 Uhr die Paderborner Museumsnacht zum Thema Römische Nacht statt. Dann stehen Führungen und Mitmachprogramme zur Sonderausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz auf dem Programm. Der Eintritt ist an diesem Abend frei.

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September schlagen Abordnungen der Legio VII Patena und der Legio XXI Rapax ihre Zelte vor der Kaiserpfalz auf und geben Einblicke in das Alltagsleben von Legionären.
Beim Herbstferienprogramm „Brot und Spiele“ entdecken junge Römer:innen und Nachwuchslegionär:innen von sechs bis zehn Jahren den Alltag im Römerlager. Die Kosten für die Teilnahme betragen 10 Euro pro Tag. Eine Anmeldung ist bis zum 9.10. möglich.
Achtung: Das Sommerferienprogramm ist schon ausgebucht.
Weitere Informationen auch zum Begleitprogramm finden Sie unter:
https://www.lwl-kaiserpfalz-paderborn.de
https://de-de.facebook.com/museuminderkaiserpfalz/
https://www.instagram.com/lwl_kaiserpfalzmuseum/

