„let’s talk. sprechen über kUNSt“


Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.

let’s talk. sprechen über kUNSt. Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.


Das Museum als Gesprächsraum: Das Museum Ostwall verbindet Werke der MO_Sammlung mit Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens

Miteinander ins Gespräch kommen, trotz unterschiedlicher Erfahrungen, Perspektiven und Haltungen: Impulse dazu gibt die neue Sammlungspräsentation „let’s talk. sprechen über kUNSt“ ab September im Museum Ostwall im Dortmunder U (MO). Die Ausstellung lädt dazu ein, Kunst als Ausgangspunkt für Austausch und neue Sichtweisen zu entdecken. Der Titel der Präsentation ist dabei Programm: Wir sprechen über Kunst – und über uns. Die Ausstellung zeigt Werke aus der Sammlung des MO, die sich mit dem Zusammenleben, dem Miteinandersprechen und Miteinanderstreiten auseinandersetzen. Wie kommen wir trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten miteinander ins Gespräch? Und wie können wir in einem Museum Räume für den Austausch öffnen?

let’s talk. sprechen über kUNSt. Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.
Wolfgang Tillmans

Mit „let’s talk. sprechen über kUNSt” setzt das Museum Ostwall seine seit 2017 etablierte Reihe thematischer Sammlungspräsentationen fort. Die Ausstellung vereint Werke vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Präsentiert werden Malerei, Skulptur, Installation, Fotografie und Video von Jochen Gerz, Nan Goldin, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, August Macke, Gabriele Münter, Adrian Paci, Otto Piene, Takako Saito, Karl Schmidt-Rottluff, Wolfgang Tillmans, Wolf Vostell, Billie Zangewa und anderen. Eine eigens entwickelte Szenografie der Agentur please don’t touch verbindet unterschiedliche Medien und Zeiten miteinander und schafft neue Beziehungen zwischen den Werken.

Eine Sammlung – immer wieder in neuem Licht

Alle drei Jahre beleuchtet das Museum Ostwall im Dortmunder U die eigene Sammlung unter wechselnden Gesichtspunkten: Werke verschiedener Epochen, Medien und künstlerischer Positionen treten miteinander in Dialog und eröffnen neue Zusammenhänge. Von expressionistischer Malerei über Fluxus bis hin zu zeitgenössischer Videokunst und Fotografie zeigt die Präsentation die Vielfalt der Sammlung. Erschlossen werden dabei auch Arbeiten, die lange nicht öffentlich zu sehen waren. Die Besucher*innen sind eingeladen, eigene Erfahrungen mitzubringen und Verbindungen zwischen Kunst und ihrem persönlichen Alltag herzustellen.

Indem wir uns anhand von Kunstwerken über brisante Themen unterhalten, können wir uns mit etwas Abstand leichter über unterschiedliche Perspektiven verständigen. Wolf Vostells ironische Bearbeitung eines amerikanischen „Candy-Bombers”, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Nahrung abwarfen, sondern den USA auch politischen Einfluss sicherten, lässt uns darüber nachdenken, wie die transatlantische Hegemonialmacht bis heute ihre Wirkung aufrechterhält, ja weiterhin ausbaut. Pablo Picassos „Femme nue couch&e” lässt uns über das Verhältnis von Maler und Modell, den männlichen Blick und den Ausschluss von Frauen aus dem akademischen Kunstbetrieb der Klassischen Moderne nachdenken. Und Martin Brands „Portraits of Young Men” spiegeln mit Haltung, Mimik und Kleidung die Codes unterschiedlicher Subkulturen und die damit verbundenen Vorstellungen von Männlichkeit, zeigen aber zugleich auch deren Brüchigkeiten.

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Pablo Picasso

Über Begegnungen, Konflikte und gesellschaftliche Fragen

Auf der fünften Ebene, der Zugangsetage, widmet sich „let’s talk. sprechen über kUNSt” dem Thema Zusammenleben. Künstlerische Arbeiten erzählen von Begegnungen, Beziehungen und Momenten des Austauschs. Ina Webers „Raucherecke” zeigt einen alltäglichen Ort, an dem Menschen miteinander in Kontakt kommen können. Christian Rohlfs’ „Clowngespräch” verweist auf freundschaftliche Beziehungen und gemeinsames Erleben. Ketty La Roccas „You You” macht hingegen Konflikte und Spannungen zwischen Menschen sichtbar.

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Ina Weber

Auf Ebene 4 sind Besucher*innen eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen: über aktuelle gesellschaftliche Debatten und Herausforderungen, auch über politische Konflikte und Krisen. Werke der verschiedensten Künstlerinnen und Künstler über Krieg und Geschichte, Geschlechterrollen, Identität und gesellschaftliche Vorstellungen von Zugehörigkeit regen dazu an, in Dialog zu treten. Die US-amerikanische Fotografin Nan Goldin portraitiert Menschen aus der queeren Community New Yorks, mal im Kontext von Drag Shows, mal als Aktivist*innen, verletzlich oder selbstbewusst.

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Nan Goldin

Beate Passows Portrait von „Frau P.” verweist nur durch ein winziges Detail auf ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Erst auf den zweiten Blick wird auf dem Arm der gut gekleideten und selbstbewusst schauenden älteren Dame die Häftlingsnummer des Vernichtungslagers Auschwitz sichtbar. Und die Künstlerin Rissa verweist mit einem großen Gemälde auf die oft unbewussten Ängste, die uns zuweilen heimsuchen, ohne dass wir sie klar benennen könnten.

Kommunikation über und durch Kunst

In „let’s talk. sprechen über kUNSt“ sucht das Museum Ostwall auch den Austausch mit seinen Besucher*innen. Die MO_Bildung & Kunstvermittlung entwickelt ein Programm für ein breites Publikum, von dialogischen Führungen und Angeboten für Familien bis hin zu Gesprächen für „Kunstmuffel”. Workshops für Schulen, Kitas und OGS-Gruppen, offene Aktionen an den Familiensonntagen, Kunstkurse und Ferienworkshops ermöglichen einen aktiven Zugang zur Kunst.

let’s talk. sprechen über kUNSt. Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.
Schreibstation

Auch Individualbesucher*innen können während des Ausstellungsrundgangs aktiv werden: Ein Nachbau des „Sound Chess” von Takako Saito regt dazu an, eigene Regeln für ein Schachspiel zu entwickeln.

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„Sound Chess“ von Takako Saito (Nachbau)

Eine Schreibstation lädt dazu ein, Menschen zu schreiben, zu denen die Verbindung abgebrochen ist. Und mit MOKI, der Kunstvermittlungs-KI des Museum Ostwall lassen sich per Telefon Gespräche über Gemälde von K. O. Götz und August Macke führen.

MOKI

In der Ausstellung ist auch ein eigenes Projekt des MO_Beirats, des unabhängigen und divers zusammengesetzten Bürger*innenbeirats des Museums, zu sehen. Mit dem Programm „frieti:on“ bringt er Künstler*innen verschiedener Sparten in Dialog mit ausgewählten Werken der Präsentation. Eine vom MO_Beirat gestaltete Recording Box lädt Besucher*innen dazu ein, eigene Gedanken und Eindrücke zu teilen.

Eine Museumssammlung am Puls der Zeit

Die Arbeit mit der eigenen Sammlung gehört seit Jahren zu den zentralen Aufgaben des Museum Ostwall im Dortmunder U. Durch die regelmäßige Neupräsentation werden Bestände immer wieder neu betrachtet und mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und museologischen Forschungsfragen verbunden.

Die enge Verbindung zwischen Kunst und Leben im Sinne sozialer wie individueller Realität ist ein wichtiger Teil der DNA des Museums. Ob Expressionismus, Fluxus oder zeitgenössische Kunst: Von Anfang an lassen sich in der Sammlungsarbeit, in den Ausstellungen und Veranstaltungen des Museums immer wieder Themen mit großer Lebensnähe als eine Art roter Faden nachverfolgen. Bereits Gründungsdirektorin Leonie Reygers (ab 1947) suchte in den 1950er Jahren nach Wegen, die Kunst stärker im Alltag ihrer Besucher*innen zu verankern. Ihr Nachfolger Eugen Thiemann (ab 1966) griff in den 1960er und 1970er Jahren Impulse aus der zeitgenössischen, oft politischen Kunst auf, in denen sich gesellschaftliche Entwicklungen spiegelten.

let’s talk. sprechen über kUNSt. Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.
Jochen Gerz

Mit dem Umzug des Hauses in das Dortmunder U 2010 wurde die Idee, Impulse aus dem Alltag aufzunehmen, den Besucher*innen aber auch Anregungen für das eigene Leben mitzugeben, zur Leitlinie des MO. Mit seinen Sammlungspräsentationen und Ausstellungen, aber auch durch die Zusammenarbeit mit Menschen aus der Stadtgesellschaft hat das Museum diesen Grundgedanken in den letzten Jahren konsequent umgesetzt. Es versteht sich bis heute als Museum der Dortmunder*innen und seine Sammlung als Schatz der Bürger*innen der Stadt.

Die neue Sammlungspräsentation führt den Ansatz konsequent fort, Kunst mit Lebenswelten zu verbinden und Menschen unterschiedlicher Hintergründe zum gemeinsamen Austausch einzuladen. „let’s talk. sprechen über kUNSt” zeigt: Kunst kann unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, zu Fragen anregen und neue Gespräche ermöglichen. Der Besuch der Ausstellung bleibt kostenfrei – damit steht die MO_Sammlung allen Menschen offen.

Statements zur Ausstellung

„Wie können Museen sich mit ihren Sammlungen zukunftsfähig aufstellen? Wie können Sammlungen vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Themen aktiviert werden? Diese Frage steht aktuell im Raum museologischer Diskurse. Dass das Arbeiten mit der eigenen Sammlung nicht nur ökologisch zeitgemäß, sondern auch organisatorisch effizient sein kann, liegt auf der Hand. Dass aber genau hier auch spannende Herausforderungen für eine kreative kuratorische Arbeit liegen können, zeigt die Ausstellung.” Regina Selter, Direktorin Museum Ostwall im Dortmunder U

„In ‚let’s talk. sprechen über kUNSt’ sind viele Aspekte unserer Museumsarbeit der letzten Jahre eingeflossen: Wir haben uns zum Beispiel viel damit beschäftigt, welche Künstler*innengruppen in unserer Sammlung unterrepräsentiert sind und haben deshalb bewusst Positionen von Künstlerinnen eingebunden, die lange nicht zu sehen waren, unter anderem von Rissa und Ursula. Im Bereich der Restaurierung haben wir viel geforscht und können nun unter anderem eine Rauminstallation von Wolf Vostell erstmals wieder für unser Publikum zugänglich machen. Und wir können einen Teil der Werke zeigen, die wir in den letzten Jahren gezielt für unsere Sammlung erworben haben, darunter drei Werke, die der MO_Beirat ausgewählt hat. Ich freue mich sehr darauf zu sehen, wie unser Publikum darauf reagieren wird.“ Nicole Grothe, Leiterin der MO_Sammlung und Kuratorin der Sammlungspräsentation „let’s talk. sprechen über kUNSt”

let’s talk. sprechen über kUNSt. Die neue Sammlungspräsentation im Museum Ostwall im Dortmunder U.
Wolf Vostell

Weitere Informationen zum Museum Ostwall im Dortmunder U: www.dortmunder-u.de/museum-ostwall/